Generic filters
Exact matches only
FS Logoi

Intelligente Druckbehälter für Wasserstofffahrzeuge

Forschende des Fraunhofer-Instituts für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit (LBF) haben eine Technologie zur automatisierten Zustandsüberwachung für Hochdruck-Speichersysteme entwickelt. Ziel ist beispielsweise die Unterscheidung kritischer von unkritischen Ereignissen im Betrieb der Druckbehälter. Gegenüber dem rein turnusgemäßen Austausch oder einer nur oberflächlichen Sichtprüfung werden so unnötige Kosten vermieden und die Sicherheit erhöht. 

von | 16.04.24

Der HyMon Tank (Hexagon)
© Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit
HyMon: Intelligente Tanks für Wasserstoff-Fahrzeuge Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit

15. April 2024 | Forschende vom Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit (LBF) entwickeln eine Technologie zur automatisierten Zustandsüberwachung für Hochdruck-Speichersysteme. Gegenüber dem rein turnusgemäßen Austausch oder einer oberflächlichen Sichtprüfung soll sie Kosten vermeiden und die Sicherheit erhöhen.

Forschungsziel ist, durch die On-Board-Strukturüberwachung der Druckbehälter ihre kontinuierliche Kontrolle in Brennstoffzellenfahrzeugen zu ermöglichen. Dafür kommen Sensoren und eine Auswerteelektronik zum Einsatz, die die Bewertung auf Basis von Structural-Health-Monitoring-Daten (SHM-Daten) ermöglichen soll.

Neben der Nutzung der SHM-Daten im Reparatur- und Servicefall soll die Technologie auch bei Unfällen zum Einsatz kommen. Die dauerhafte Überwachung soll zudem zielgerichtete Maßnahmen für eine sichere Fahrzeugbergung bei Rettungseinsätzen ermöglichen.

Im Rahmen des Projekts arbeite das Fraunhofer LBF eng mit weiteren Partnern zusammen. Zunächst werde man eine Methodik zur Applikation faseroptischer und piezoelektrischer Sensoren auf Faserverbund-Druckbehälter weiterentwickeln Die faseroptischen Dehnungssensoren seien dabei in der Lage, die Materialbeanspruchungen im Faserlaminat zu messen. Mit Hilfe der piezoelektrischen Sensoren werden die Ultraschallgeräusche erfasst, die entstehen, wenn die Matrix oder einzelne Fasern des Laminats infolge von Impactschäden oder Überbeanspruchung versagen.

Schadenserfassung durch Ultraschallgeräusche

HyMon: Intelligente Tanks für Wasserstoff-Fahrzeuge Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit

Probe mit Piezosensoren (© Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit)

Anhand von Materialproben werden die Schäden des Materials zunächst im Labor künstlich erzeugt und mit den Sensoren erfasst. Anschließend werden diese anhand der Signalsignaturen klassifiziert. Die entwickelte Sensor- und Applikationstechnologie wird auf die Anwendung an FKV-Hochdrucktanks übertragen und in Berst-, Ermüdungs- und Impact-Versuchen validiert.

Wesentliche Schwerpunkte im Fraunhofer LBF stellen die Entwicklung eines Signalanalyseverfahrens, basierend auf der Acoustic-Emission Methode, zur Unterscheidung verschiedener materialtypischer Schädigungsmechanismen sowie einer Berechnungsmethodik für das Ermüdungsverhalten des Faserverbunds dar. Schließlich unterstützt das Institut auf Basis seiner bestehenden Erfahrung im Bereich der Fahrbetriebsmessung bei der Einbindung des Behälter-Überwachungssystems in die elektrische, elektronische und informationstechnologische Umgebung des Fahrzeugs.

Aktuelle Beurteilung

Insgesamt verspreche die automatisierte messtechnische Überwachung der Druckbehälter eine Steigerung des Sicherheitsniveaus. Gleichzeitig sollen hohe Kosten durch den unnötigen Austausch noch funktionsfähiger Tanks vermieden werden. Zudem ermögliche die Sensorik eine kostengünstige und effiziente Überwachung der Fertigungsqualität. Durch begleitendes Monitoring lasse sich während der Produktentwicklung mehr Informationen gewinnen. So könne das auch zu einer Reduktion von Entwicklungs- und Erprobungszeiten führen.

Als hochbelastete Sicherheitsbauteile stellen Druckbehälter zur Speicherung ein Kernelement von Wasserstoff-Antriebssystemen dar. Behälter aus faserverstärkten Kunststoffen besitzen dabei eine deutlich geringere Masse als reine Metalltanks mit gleichem Arbeitsdruck. Dies macht sie für die Anwendung im Mobilitäts- und Transportsektor attraktiv. Sie werden für eine Nutzungsdauer von bis zu 20 Jahren bei Betriebsdrücken von 200 bis 1000 bar ausgelegt.

Und wie sieht die heutige Vorgehensweise aus? Nach Angaben des Instituts erfolge im Abstand von zwei Jahren eine rein äußerliche Beurteilung. Diese vorgeschriebene Prüfung erlaube jedoch kaum Rückschlüsse auf den Zustand im Inneren des dickwandigen Faserverbunds. Durch „über“-konservative Beanstandungen, die ggf. den unnötigen Austausch eigentlich noch funktionsfähiger Tanks zur Folge haben, könnten einerseits hohe Reparaturkosten anfallen. Andererseits müsse die falsche Bewertung eines defekten Tanks als „sicher“ unter allen Umständen ausgeschlossen werden.

(Quelle: Fraunhofer-Instituts für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit/2024)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

H2-Projekte in Ihrer Region

Mehr als 300 Wasserstoff-Projekte in Deutschland und Europa

Hier geht's zur interaktiven Karte

Wasserstoff-Kernnetz: Großauftrag für neue H2-Pipeline vergeben
Wasserstoff-Kernnetz: Großauftrag für neue H2-Pipeline vergeben

Die Ontras Gastransport GmbH hat einen Liefervertrag mit der Mannesmann Linepipe GmbH und der Mannesmann Großrohr GmbH über rund 100 Kilometer Rohrleitungen abgeschlossen. Die Leitungen dienen dem Neubau einer Schlüsseltrasse im deutschen Wasserstoff-Kernnetz. Ab Dezember 2029 soll die Pipeline kommerziell Wasserstoff transportieren. Es handelt sich um die größte Einzelbeschaffung in der Unternehmensgeschichte. Der Auftragswert liegt im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

mehr lesen
Neue Gas- und Dampfturbinenanlage ist H2-ready
Neue Gas- und Dampfturbinenanlage ist H2-ready

Anstelle des Blocks Heilbronn 7 (HLB 7) des Heilbronner Steinkohlekraftwerks plant die EnBW Energie Baden-Württemberg AG künftig die neue Anlage HLB 8. Deren kommerzielle Inbetriebnahme ist für das Jahr 2027 vorgesehen. Die geplante Anlage soll ab Mitte der 2030er Jahre mit CO₂-armem Wasserstoff betrieben werden.

mehr lesen

H2 Talk

„Unsere Kunden sind Vorreiter“
„Wasserstoff ist im Grunde Erdgas ohne Kohlenstoff und entsprechend vielseitig einsetzbar“
„NRW bringt beste Voraussetzungen als Wasserstoff-Knotenpunkt mit“

Publikationen

Gasqualitäten im veränderten Energiemarkt

Gasqualitäten im veränderten Energiemarkt

Erscheinungsjahr: 2020

Das Werk umfasst eine Sammlung praxisorientierter Fachbeiträge aus den Zeitschriften gwf Gas + Energie, PROZESSWÄRME und „gwi – gaswärme international“, die den Lesern einen Überblick über die Neuerungen, die sich für Gasanwender und -versorger aus ...

Zum Produkt

Erneuerbarer Wasserstoff mit Solar-Wind-Hybridkraftwerken

Erneuerbarer Wasserstoff mit Solar-Wind-Hybridkraftwerken

Autor: Raphael Niepelt, Rolf Brendel

Grüner Wasserstoff ist ein Schlüsselelement für die Transformation und Defossilierung des Energiesystems. Mit der Nationalen Wasserstoffstrategie hat sich die Politik klar zu grünem Wasserstoff bekannt, wobei der Bedarf vor allem über Importe aus ...

Zum Produkt

Wasserstoffeinspeicherung mit  bestehenden Erdgasverdichtern

Wasserstoffeinspeicherung mit bestehenden Erdgasverdichtern

Autor: Johann Lenz und Patrick Tetenbor

Zur Verdichtung von Wasserstoff mit bestehenden Erdgasverdichtern wird sich aufgrund verschiedener Parameter eine neue Ära der Kolbenverdichter entwickeln. Um aus schwingungstechnischer Sicht weiterhin einen sicheren Betrieb zu gewährleisten, sind ...

Zum Produkt