ITM Power liefert 710 MW Elektrolyse-Kapazität für Netzstabilisierung in Deutschland

Die Stablegrid Group hat den britischen Elektrolyseur-Hersteller ITM Power für zwei Wasserstoff-Infrastrukturprojekte mit einer Kapazität von 710 MW Leistung ausgewählt. Die Anlagen sollen ausschließlich Netzengpässe reduzieren und Überschussstrom in Wasserstoff umwandeln.

von | 12.12.25

Das Neptune V-Modul
© ITM Power
ITM Power liefert 710 MW Elektrolyseur-Kapazität für Netzstabilisierung in Deutschland

Die Stablegrid Group hat ITM Power als Technologiepartner für zwei Energieinfrastrukturprojekte in Deutschland ausgewählt. Die beiden Anlagen dienen der Netzstabilisierung. Mit einer Gesamtkapazität von 710 MW sollen sie Überschussstrom in Wasserstoff umwandeln, um diesen für Dunkelflauten in unterirdischen Kavernen zu speichern. Dieser Betriebsmodus wird als „Predispatch” bezeichnet.

Das Konzept der sogenannten „Netzbrücke” zielt darauf ab, Redispatch-Maßnahmen zu reduzieren. Redispatch ist ein Eingriff zur Anpassung der Leistungseinspeisung von Kraftwerken. Netzbetreiber nutzen Redispatch, um Engpässe zu beseitigen: Sie drosseln Kraftwerksleistung vor einem Engpass und erhöhen sie dahinter. Dies ist insbesondere beim Ausbau der erneuerbaren Energien notwendig, da die Einspeisung wetterabhängig und geografisch ungleich verteilt erfolgt.

Im Jahr 2022 meldeten die Übertragungsnetzbetreiber Redispatchmaßnahmen mit einem Gesamtvolumen von rund 22.000 Gigawattstunden (GWh). Im Vergleich dazu waren es im Jahr 2014 noch nur 4.249 GWh.

Negativer Redispatch verursacht jährlich Kosten von 2 bis 3 Milliarden Euro für deutsche Steuerzahler. Das Predispatch-Verfahren soll diese Kosten senken und gleichzeitig Überschussstrom nutzen.

Die geplanten Netzbrücken

Um die Redispatch-Maßnahmen zu reduzieren, plant Stablegrid zwei „Netzbrücken”. Das erste Projekt mit dem Namen „Netzbrücke 410” ist in Rüstringen angesiedelt. Dafür soll ITM Power einen 30-MW-Elektrolyseur liefern und auch die Integrationsarbeiten übernehmen. Der PEM-Elektrolyseur wird aus 6 containerisierten Neptune V-Modulen bestehen. Die entsprechenden Produktionskapazitäten hat das deutsche Engineering- und Projektentwicklungsunternehmen bereits bei dem britischen Hersteller reserviert. Die finale Investitionsentscheidung plant Stablegrid für 2026.

Das zweite Projekt umfasst 680-MW-Indoor-Elektrolyseur-Kapazität. Für dieses Projekt wollen die beiden Unternehmen im Januar 2026 mit der Pre-FEED-Phase beginnen. Die Investitionsentscheidung für diese Anlage wird für 2028 erwartet.

Oliver Feller, Mitglied des Vorstands der Stablegrid Group, erklärte: „Mit ITM Power haben wir einen starken und erfahrenen Partner, der die technische Expertise mitbringt, um systemstabilisierende Wasserstoffprojekte dieser Größenordnung zuverlässig umzusetzen.”

ITM Elektrolyse-Module

Neben den von der Stablegrid reservierten Neptune V-Modulen bietet der britische Elektrolyseur-Hersteller auch 2-, 20- und 50-MW-Module an. Erst Ende Oktober präsentierte ITM Power ihr neustes System mit dem Namen Alpha 50.

Die Stablegrid Group ist nicht das erste deutsche Unternehmen, das großvolumige Elektrolyseur-Kapazität bei dem Hersteller reserviert. Im September schloss das Unternehmen mit RWE einen Reservierungsvertrag über 150 MW Elektrolyse-Kapazität für das GetH2 Nukleus-Projekt in Lingen.

(Quelle: ITM Power/2025)

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