Nach anderthalb Jahren schloss die evm-Gruppe ihr Pilotprojekt am 10. März ab. Das Untersuchungsgebiet lag im Norden von Koblenz zwischen der A48, der B9 und dem Ortsteil Wallersheim. Es umfasste das Ortsnetz Kesselheim, Teile des Ortsnetzes Wallersheim sowie das Industriegebiet Rheinhafen. Die Wahl des Energieversorgers fiel auf dieses Gebiet, weil es Hoch-, Mittel- und Niederdruckleitungen vereint und sowohl Industrie- als auch Haushaltskunden mit hoher Anschlussdichte versorgt. Das macht es laut Aussage der evm-Gruppe zur Blaupause für weitere Netzabschnitte.
Die Machbarkeitsstudie durchlief seit Herbst 2024 vier Phasen:
- Zunächst erfasste das Projektteam alle relevanten Netzdaten: GIS-Daten, digitalisierte Archivunterlagen sowie technische Informationen zu Leitungen, Zählern und Gasdruckregelanlagen.
- Auf dieser Basis bewertete ein externer Dienstleister die Wasserstofftauglichkeit der Netzkomponenten.
- In der dritten Phase entwickelten enm und Thüga gemeinsam drei Zukunftsszenarien bis 2035/2040: eine vollständige Umstellung des Netzes auf Wasserstoff, eine Teilumstellung auf Hochdruckebene sowie ein Mischszenario, das sowohl Großindustriekunden als auch Haushaltskunden einbezieht.
- Abschließend erarbeiteten die Fachleute einen Transformationspfad, der zeigt, wie das Netz schrittweise angepasst werden kann.
Was die Studie konkret zeigt
Die Untersuchung belegt, dass sich bestehende Assets – Rohrleitungen, Schieber sowie Regel- und Messanlagen – grundsätzlich auf Wasserstoffbetrieb umrüsten lassen. Die Studie liefert damit Praxisdaten, die eine differenzierte Netzplanung ermöglichen. Projektleiter Tobias Eberhardt nennt das Ziel: belastbare Erkenntnisse für die künftige Gasversorgung gewinnen und den wirtschaftlichen Aufwand einer Umwidmung beziffern.
Hendrik Majewski, technischer Geschäftsführer der enm, ordnet die Ergebnisse ein: Wie und wann umgestellt wird, hänge vom Aufbau einer übergreifenden Wasserstoff-Energieversorgung, den regulatorischen Rahmenbedingungen und dem Ausbau der überregionalen Infrastruktur ab – alles Faktoren jenseits des Einflussbereichs eines regionalen Netzbetreibers.
Die enm sieht ihre Rolle darin, die Versorgungsinfrastruktur frühzeitig vorzubereiten. Das Pilotprojekt in Kesselheim ist dabei ein erster Schritt in einem Transformationsprozess, an dem viele Akteure beteiligt sind.










