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Landkreis Groß-Gerau setzt auf Wasserstoff

Seit fast zehn Jahren engagiert sich die Überlandwerk Groß-Gerau GmbH (ÜWG) beim Ausbau des Geschäftsfelds Wasserstoff in der Region Groß-Gerau. Die ÜWG war vor einigen Jahren auch der initiale Ideengeber für den Energiepark Mainz. Im Energiepark im Stadtteil Hechtsheim produzieren die Mainzer Stadtwerke AG und Linde seit 2015 erfolgreich Wasserstoff per Elektrolyse. Die Elektrolyse-Spitzenleistung beträgt […]

von | 15.02.21

© SmirkDingo - stock.adobe.com
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H2-Speicherung

Seit fast zehn Jahren engagiert sich die Überlandwerk Groß-Gerau GmbH (ÜWG) beim Ausbau des Geschäftsfelds Wasserstoff in der Region Groß-Gerau. Die ÜWG war vor einigen Jahren auch der initiale Ideengeber für den Energiepark Mainz. Im Energiepark im Stadtteil Hechtsheim produzieren die Mainzer Stadtwerke AG und Linde seit 2015 erfolgreich Wasserstoff per Elektrolyse. Die Elektrolyse-Spitzenleistung beträgt bis zu 6 Megawatt. Der Strom für die Elektrolyse stammt aus erneuerbaren Energien – der Wasserstoff kann dadurch umweltfreundlich produziert werden. Künftig wird auch die ÜWG und der Landkreis Groß-Gerau von dem Hoffnungsträger Wasserstoff profitieren: ÜWG-Geschäftsführer Jürgen Schmidt und Stadtwerke-Vorstand Dr. Tobias Brosze schlossen einen entsprechenden Kooperationsvertrag ab.

„Die ÜWG möchte sich über den Einstieg beim Energiepark entsprechende Wasserstoffmengen langfristig sichern und zudem vom Wissen des ehemaligen Forschungsprojekts profitieren“, erläutert ÜWG-Geschäftsführer Jürgen Schmidt. Außerdem möchten die Mainzer Stadtwerke, Linde und die ÜWG mittelfristig enger beim Thema Wasserstoff zusammenarbeiten und gemeinsam weitere tragfähige Geschäftsmodelle und Projekte entwickeln. Dementsprechend sollen weitere Wasserstoffquellen in der Region von den drei Partnern künftig gemeinsam erschlossen werden.

Arbeit an mehreren Projekten im Landkreis Groß-Gerau

Das Thema Wasserstoff wird in den nächsten Jahren im Landkreis Groß-Gerau eine größere Rolle spielen, sind sich die ÜWG und die politischen Vertreter des Landkreises sicher. So setzt unter anderem die lokale Nahverkehrsgesellschaft des Kreises Groß-Gerau (LNVG) auf Wasserstoff und sieht in ihrem Mobilitätskonzept die mittelfristige Umstellung des gesamten Linienbetriebs auf Wasserstoff vor. Im Mai 2020 starteten die ersten Brennstoffzellenbusse im Linienverkehr.

„Wir entwickeln im Kreis seit vielen Jahren Strategien und Projekte, um Treibhaus-Emissionen zu reduzieren und die Umstellung auf erneuerbare Energien voranzubringen. Lokal können wir im Kreis und in der Kreisverwaltung viel gegen den Klimawandel tun – das fängt bei der Beschaffung von Büromaterial an und hört beim hoffentlich bald CO2-neutralen öffentlichen Nahverkehr noch lange nicht auf. Unser ehrgeiziges Ziel bleibt: Wir möchten bis 2030 eine emissionsfreie Busflotte auf den Linien des Kreises fahren sehen.“, erklärt Landrat Thomas Will.

Aktuell begleitet und unterstützt die ÜWG beispielsweise die Vorplanungen zum Bau einer Wasserstofftankstelle für die LNVG. Bis Ende des Jahres soll ein konkretes Betankungskonzept erstellt werden.

Der Kreis Groß-Gerau zeichnet sich unter anderem durch die hohe Dichte an Lager- und Logistikzentren aus. Auch hier besteht die grundsätzliche Notwendigkeit der CO2-Reduzierung im Energieverbrauch. Ein Großteil der Energie fällt auf den internen Warenverkehr mit Gabelstaplern etc. Hier bieten wasserstoffbetriebene Fahrzeuge gegenüber den etablierten Batteriefahrzeugen einige gravierende Vorteile. Zur Realisierung eines Projekts zur Nutzung grünen Wasserstoffs in der Intralogistik prüft ÜWG in einer ersten Phase zunächst die Grundvoraussetzungen und die Realisierbarkeit eines solchen Vorhabens.

Darüber hinaus möchte sich die ÜWG an einem Forschungsprojekt beteiligen, bei dem im Landkreis Groß-Gerau erste Erfahrungen mit der Bereitstellung von Wasserstoff im Linienbusbetrieb gesammelt werden soll. Die Reputation der ÜWG im Bereich Wasserstoff zeigt sich auch daran, dass die Überlandwerk Groß-Gerau GmbH seit Herbst 2020 die Geschäfte des Vereins „Wasserstoff- und Brennstoffzelleninitiative Hessen e.V.“ führt und inzwischen auch den operativen Betrieb der Geschäftsstelle von der LandesEnergieAgentur (LEA) übernommen hat.

Erfahrungen aus dem Energiepark Mainz nutzen

2013 war der Energiepark Mainz als gemeinsames Forschungsvorhaben der Partner Linde, Siemens und Mainzer Stadtwerke unter wissenschaftlicher Begleitung der Hochschule RheinMain mit finanzieller Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums gestartet. Der in Hechtsheim aus erneuerbarem Strom produzierte Wasserstoff wird teils ins Erdgasnetz eingespeist, teils per Trailer zu Anwendern in Industrie und Mobilität transportiert. Die Anlage arbeitet seit Ende der Forschungs- und Förderphase 2017 im kommerziellen Betrieb. Sie wird seitdem von der Mainzer Stadtwerke AG und der Linde GmbH gemeinsam betrieben.

Die Stadtwerke nutzen die in dem Projekt gewonnene Erfahrung bereits seit mehreren Jahren dazu, elektrolytisch erzeugten Wasserstoff als ein künftiges Element zur CO2-freien Versorgung der Sektoren Strom, Gas, Wärme, Verkehr und Industrie einzusetzen. So wird ein Teil des in Hechtsheim produzierten Wasserstoffs in eine vorhandene Erdgasleitung eingespeist und ersetzt im benachbarten Stadtteil Ebersheim in rund 1.000 Haushalten ein Teil des Erdgases. Technisch ist die Beimengung von bis zu zehn Prozent Wasserstoff ins Erdgasnetz möglich.

Wie die ÜWG, so sehen auch die Mainzer Stadtwerke im Bereich des emissionsfreien ÖPNV und Schwerlastverkehrs große Potentiale für die Nutzung von regenerativ erzeugtem Wasserstoff. Hierzu hat MSW über die Mainzer Verkehrsgesellschaft in Kooperation mit der ESWE Verkehrsgesellschaft in Wiesbaden bereits eine gemeinsame Betriebstankstelle für Wasserstoff-Brennstoffzellenbusse errichtet. Die ersten Linienbusse in Mainz und Wiesbaden fuhren bereits mit Wasserstoff, beide Verkehrsunternehmen rechts und links des Rheins planen den Kauf weiterer Brennstoffzellenlinienbusse.

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