ITM Power hat am 5. März die letzte Charge seiner TRIDENT-Elektrolyseur-Stacks aus dem Werk in Sheffield verschickt. Die Stacks, die das Herzstück der Wasserstoffproduktionsanlage bilden, sind nun auf dem Weg zum RWE-Standort in Lingen. Dort baut der Energiekonzern im Rahmen des Projekts GET H2 Nukleus eine 200-MW-Elektrolyseanlage. Die Lieferung von ITM markiert den Abschluss des Auftrags.
Die 200-MW-Anlage besteht aus zwei Produktionslinien und ist die erste genehmigte Produktionsstätte dieser Größe in Deutschland. RWE bestellte die beiden PEM-Elektrolyseure im Dezember 2022, nachdem die deutsche Bundesregierung im gleichen Jahr den vorzeitigen Start der Maßnahmen für GET H2 Nukleus genehmigt hatte.
Zwei 100-MW-Linien: Erste zertifiziert, zweite im Aufbau
Die Anlage besteht aus zwei voneinander unabhängigen 100-MW-Produktionslinien. Die erste Linie ist bereits installiert und zertifiziert. Die zweite durchläuft derzeit die Installation, während die zuletzt gelieferten Stacks auf dem Gelände eintreffen. Die PEM-Elektrolyseure basieren auf der neuesten Generation der MEP-30-bar-Stacks von ITM Power, die in 10-MW-Standardmodul-Gestelle von Linde Engineering integriert werden – eine Lösung, die speziell für großindustrielle Anwendungen konzipiert ist.
Im Vollbetrieb soll die Anlage bis zu 3.600 kg Wasserstoff pro Stunde aus Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugen. Im Jahr entspricht das einer Produktion von bis zu 35.000 Tonnen grünem Wasserstoff. Den Wasserstoff will RWE dann per Pipeline zur TotalEnergies-Raffinerie in Leuna transportiert, wo er fossilen Wasserstoff in der Kraftstoffproduktion ersetzt.
Das Projekt GET H2 Nukleus ist Teil der gleichnamigen Initiative, die die erste öffentlich zugängliche Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland aufbauen und die Erzeugung in Lingen mit industriellen Abnehmern in Niedersachsen und NRW verbinden will. GET H2 Nukleus zählt zu den Wasserstoff-Großprojekten, die im Mai 2021 von Bund und Ländern für eine Förderung im Rahmen des IPCEI-Programms nominiert wurden.
Lingen als Knotenpunkt der deutschen Wasserstoffwirtschaft
Lingen entwickelt sich zum zentralen Standort für grünen Wasserstoff in Deutschland. Die 200-MW-Anlage ist Teil von RWEs Ziel, im Rahmen des GET-H2-Projekts bis 2026 einen 300-MW-Elektrolyseur in Lingen zu errichten. Langfristig plant RWE, die Gesamtkapazität am Standort bis 2030 auf bis zu 2 GW auszubauen.
Im September 2024 gab RWE bekannt, die Unternehmen Sunfire und Bilfinger mit dem Bau der dritten 100-MW-Einheit beauftragt zu haben. Parallel betreibt RWE auf dem Gelände des Gaskraftwerks Emsland bereits eine 14-MW-Pilotanlage, die aus einem 10-MW-Druck-Alkali-Elektrolyseur von Sunfire und einer 4-MW-PEM-Anlage von ITM Power besteht.
Für ITM Power bedeutet die pünktliche Auslieferung der vollen 200-MW-Kapazität einen wichtigen Referenzauftrag. RWE hat bereits eine Folgereservierung über 30 containerisierte Elektrolyseur-Einheiten des Typs Neptune V mit Abruf bis 2027 vereinbart.









