Generic filters
Exact matches only
FS Logoi

Mangelnde Pipeline-Infrastruktur bremst Europas Wasserstoffhochlauf

Expertenausblick – Michael Timm von A&M warnt: Ohne ausreichende Pipeline-Infrastruktur kann der europäische Markt für grünen Wasserstoff nicht wachsen. Er fordert mutigere Schritte beim Infrastrukturausbau und skizziert Lösungsansätze.

von | 07.08.24

Michael Timm ist seit Januar 2023 Senior Director bei Alvarez & Marsal (A&M)
© sornram - stock.adobe.com
Wasserstoff-Kernnetz

Die Europäische Union hat sich ehrgeizige Ziele für grünen Wasserstoff gesetzt: Bis 2030 sollen jährlich 10 Millionen Tonnen produziert und importiert werden. 2022 lag die Produktion von erneuerbarem Wasserstoff in der EU bei 20.000 Tonnen, das sind 0,2 % der bis 2030 angestrebten Menge. Aktuell entsprechen weniger als 1 % der weltweiten Wasserstoffproduktion den höchsten Umweltschutzstandards. Infrastruktur

Ein wesentliches Hindernis für das Marktwachstum ist laut Timm die fehlende Transport-Infrastruktur. Nur 7 % der angekündigten Wasserstoffkapazitäten in der EU haben eine endgültige Investitionsentscheidung erhalten. Denn ohne langfristige Abnahmeverträge haben viele Projektentwickler Schwierigkeiten, die Finanzierungen abzusichern.

Das derzeitige Vertriebsmodell, bei dem der Wasserstoff meist am selben Ort produziert und verbraucht wird, verhindere ebenfalls eine steigende Nachfrage und somit auch mehr Investitionssicherheit, so Timm. Eine Midstream-Infrastruktur spiele eine entscheidende Rolle, um Angebot und Nachfrage sicher und kostengünstig aufeinander abzustimmen.

Pipelinenetze als wirtschaftlichste Transportoption

Pipelinenetze gelten als wirtschaftlichste Option für den Transport von Wasserstoff über große Entfernungen und in großen Mengen. Mit Kosten von 0,11 bis 0,21 €/kg pro 1.000 km übertreffen sie den Transport per Schiff für alle angemessenen Entfernungen innerhalb Europas und in den angrenzenden Regionen.

Ein Pipelinesystem könne den grenzüberschreitenden Handel innerhalb der EU erleichtern und regionale Unterschiede bei Angebot und Nachfrage ausgleichen. Das geplante European Hydrogen Backbone (EHB) soll bis 2030 31.500 Kilometer umfassen. Es könnte die Versorgungskosten um 330 Milliarden Euro gegenüber einem lokalisierten Modell senken. Deutschland und die Niederlande haben mit dem Ausbau ihrer nationalen Pipelinenetze begonnen, einschließlich grenzüberschreitender Verbindungen.

Unternehmen wie Everfuel, HyCC und HH2E richten ihre Strategien an diesem Modell aus und starten groß angelegte Produktionspläne für den Anschluss an Pipelines. Bislang gibt es jedoch noch keine Projekte zur Versorgung grenzüberschreitender Kunden mit grünem Wasserstoff.

Lösungsansätze für den Netz-Ausbau

Timm schlägt Garantien als möglichen Lösungsansatz vor. Regierungen und Übertragungsnetzbetreiber sollen laut ihm die Verfügbarkeit von Pipelines und die Einhaltung von Fristen garantieren. Im Gegenzug würden sich seiner Meinung nach Produzenten verpflichten, bestimmte Mengen und Auslastungsgrade zu liefern.

Der Markt für erneuerbaren Wasserstoff würde von einer klaren Umsetzung der Verpflichtungen auf der Nachfrageseite profitieren. Dies würde gleiche Wettbewerbsbedingungen für EU-Produktion und Importe schaffen und zur Einführung eines EU-weiten Systems handelbarer Zertifikate beitragen.

Ohne die notwendige Aufmerksamkeit der politischen Entscheidungsträger werde sich der Start der Wasserstoffwirtschaft massiv verzögern, meint Timm. Die Midstream-Infrastruktur sei unerlässlich, um kosteneffiziente Lösungen zu realisieren und die mit Investitionen verbundenen Risiken zu verringern.

(Quelle: A&M/2024)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

H2-Projekte in Ihrer Region

Mehr als 300 Wasserstoff-Projekte in Deutschland und Europa

Hier geht's zur interaktiven Karte

Essener Energiebeirat wächst auf 29 Mitglieder
Essener Energiebeirat wächst auf 29 Mitglieder

Die Stadt Essen hat ihren Energiebeirat personell und inhaltlich ausgebaut. Oberbürgermeister Thomas Kufen begrüßte am 11. November sieben neue Mitglieder in dem Gremium. Damit wächst der Zusammenschluss auf 29 Unternehmen und Institutionen.

mehr lesen
H2 on air, Folge 12: Wasserstoffhochlauf: Lehren aus China
H2 on air, Folge 12: Wasserstoffhochlauf: Lehren aus China

Mit „H2 on air“ wollen wir Fakten in die Wasserstoff-Debatte bringen. Kaum jemand ist dafür besser geeignet als Prof. Dr. Michael Sterner. Der renommierte Wasserstoff-Experte ist Mitglied im höchsten Wasserstoff-Gremium Deutschlands, dem Nationalen Wasserstoffrat. Außerdem gilt er als Erfinder von Power-to-X, einem Konzept zur Energiespeicherung, das seit 15 Jahren weltweit für Furore sorgt.

mehr lesen

H2 Talk

Wasserstoff-Mobilität darf nicht auf 100 % grünen Wasserstoff warten
Interview Bürkert
H2-Filter: „Es darf nur noch 1 aus einer Milliarde Moleküle vorhanden sein”

Publikationen

Netzmeister 2023

Netzmeister 2023

Erscheinungsjahr: 2023

Für die Instandhaltung der Gas-, Wasser- und Fernwärmerohrnetze, die den mit Abstand größten Teil des Anlagevermögens von Versorgungsunternehmen ausmachen, trägt der Netzmeister die Verantwortung. Um den täglichen Anforderungen gerecht werden zu ...

Zum Produkt

Wasserstoff in der Praxis, Bd. 2: Gebäude- und Messtechnik

Wasserstoff in der Praxis, Bd. 2: Gebäude- und Messtechnik

Erscheinungsjahr: 2022

Das Buchreihe „Wasserstoff in der Praxis“ vermittelt Praktikern wichtige Informationen über den Stand der Technik und zukünftige Entwicklungen. Im 2. Band stehen die Themen „Gebäudetechnik“ und „Messtechnik“ im Fokus. Das ...

Zum Produkt

Wasserstoff in der Praxis, Bd. 1: Infrastruktur

Wasserstoff in der Praxis, Bd. 1: Infrastruktur

Erscheinungsjahr: 2021

Das Buchreihe „Wasserstoff in der Praxis“ vermittelt Praktikern wichtige Informationen über den Stand der Technik und zukünftige Entwicklungen. Im 1. Band werden die Herausforderungen dargestellt, die Wasserstoff an die Gasinfrastruktur und den ...

Zum Produkt