Mobilitäts-Mittwoch: Wasserstoff-Tankstellen und mobile Wasserstoff-Versorgung

Mobilitäts-Mittwoch: Die MB Energy Gruppe hat die Baugenehmigung für eine Wasserstoff-Tankstelle in Lübeck erhalten. Das See Hydrogen Mobility Consortium plant einen großflächigen Wasserstoff-Mobilitätskorridor. Der vollständige Ausbau sieht mehr als 100 Wasserstoff-Tankstellen und 17 regionale Wasserstoff-Produktionsstandorte bis 2031 vor. Die REVG Rhein-Erft-Verkehrsgesellschaft hat insgesamt 26 neue Brennstoffzellenbusse erhalten. Das britische Unternehmen Ulemco hat ein mobiles Wasserstoff-Betankungsfahrzeug für den Bausektor auf den Markt gebracht.

von | 30.07.25

Das mobiles Wasserstoff-Betankungsfahrzeug
© Ulemco
Mobilitäts-Mittwoch: Wasserstoff-Tankstelle und mobile Wasserstoff-Versorgung

Baustart von Wasserstoff-Tankstelle in Lübeck

Die MB Energy Gruppe hat die Baugenehmigung für eine Wasserstoff-Tankstelle in Lübeck erhalten. Das Hamburger Energieunternehmen will den Bau der Anlage umgehend beginnen und diese bis Ende 2025 in Betrieb nehmen. Die Tankstelle soll eine Tageskapazität von 2.000 Kilogramm Wasserstoff haben und so bis zu 50 Lkw täglich betanken können. Die Anlage hat Hypion entworfen und entwickelt und wird vom Bundesverkehrsministerium mit 5,1 Millionen Euro gefördert.

Der Standort der geplanten H₂-Tankstelle liegt unweit des Autobahnkreuzes A1 und A20. MB Energy betreibt dort bereits eine Diesel-Tankstelle. Insgesamt verfügt das Unternehmen über 300 konventionelle Tankstellen. Der Standort Lübeck soll eine Schlüsselrolle bei der Erfüllung der EU-Verordnung AFIR spielen. Diese Verordnung schreibt bis 2030 Wasserstofftankstellen alle 200 Kilometer entlang des transeuropäischen Verkehrsnetzes vor.

MB Energy verfolgt einen Multi-Fuel-Ansatz. Das Unternehmen investiert in Wasserstoff, Biokraftstoffe und synthetische Kraftstoffe.

Wasserstoff-Korridor für Europa: Konsortium plant 100 Tankstellen bis 2031

Das See Hydrogen Mobility Consortium auf dem Hydrogen Summit in Rotterdam

Das See Hydrogen Mobility Consortium auf dem Hydrogen Summit in Rotterdam (© See Hydrogen Mobility Consortium)

Vier europäische Unternehmen haben das See Hydrogen Mobility Consortium gegründet. Das Konsortium will einen großflächigen Wasserstoff-Mobilitätskorridor von Ost- und Zentraleuropa bis in die Türkei entwickeln. Der vollständige Ausbau sieht mehr als 100 Wasserstoff-Tankstellen und 17 regionale Wasserstoff-Produktionsstandorte bis 2031 vor. Die Tankstellen sollen im Abstand von etwa 200 Kilometern entlang des Transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-T) errichtet werden. Auch eine Verbindung zu Westeuropa ist geplant. Zusätzlich sollen bis zu 10.000 wasserstoffbetriebene Lkw über ein Pay-per-Use-Leasingmodell bereitgestellt werden. See Hydrogen Ltd. aus Bulgarien führt das Projekt. Partner sind Resato Hydrogen Technology, HyGear und Green Energy Park-Global aus den Niederlanden.

Diese Zusammenarbeit sei ein bedeutender Schritt für den grünen Transport in Europa. Das Konsortium baue ein tragfähiges und skalierbares Wasserstoff-Mobilitäts-Rückgrat auf. Es adressiere sowohl die Dekarbonisierung des schwer vermeidbaren Schwerlastverkehrs als auch die Marktnachfrage.

„Dieses Projekt spiegelt die Art grenzüberschreitender Zusammenarbeit wider, die notwendig ist, um die Wasserstoffmobilität voranzubringen”, erklärt Henk Kleef, CEO von HyGear.

Das erste Pilotprojekt will das Konsortium 2028 in Bulgarien abschließen. Dafür sind mindestens drei Wasserstoff-Tankstellen, eine H2-Produktionsanlage und über 100 Wasserstoff-Lkw geplant. 

26 Wasserstoffbusse gehen im Rhein-Erft-Kreis in Betrieb

Die REVG Rhein-Erft-Verkehrsgesellschaft hat insgesamt 26 neue Brennstoffzellenbusse erhalten. Die Wasserstoffbusse vom Typ Solaris Urbino nE12 Hydrogen ersetzen alte Dieselfahrzeuge im Fuhrpark. Die Busse verfügen über eine Reichweite von 350 Kilometern und sollen jährlich 1.500 Tonnen CO₂ einsparen. Das Bundesverkehrsministerium hat die Anschaffung der Busse mit 7,48 Millionen Euro gefördert.

Die neuen Brennstoffzellenbusse für den Rhein-Erft-Kreis

Die neuen Brennstoffzellenbusse für den Rhein-Erft-Kreis (© REVG)

Eine 70-kW-Brennstoffzelle von Ballard arbeitet mit Elektromotoren und einer Traktionsbatterie zusammen. Der erhöhte Dachaufbau beherbergt die Brennstoffzellentechnik und fünf Verbundstofftanks. Die Betankung der Fahrzeuge soll 10 bis 15 Minuten in Anspruch nehmen. Die Betankung erfolgt auf dem REVG-Betriebsgelände an einer im Oktober 2024 errichteten Wasserstofftankstelle. Die Spedition Rheinland Hilde Freund GmbH & Co. KG betreibt die Anlage. Sie wird ausschließlich mit grünem Wasserstoff beliefert Wasserstofftankstelle und -versorgung kommen von der Messer Group.

Die ersten beiden Fahrzeuge des Auftrags gingen bereits im Juli 2024 in Betrieb. Die übrigen Flottenfahrzeuge fahren seit Ende 2024 mit dem umweltfreundlichen Biokraftstoff HVO 100. Der synthetisch hergestellte Kraftstoff sorgt aufgrund seiner biologischen Rohstoffe für einen bilanziellen CO₂-Ausgleich. Alle REVG-Fahrzeuge entsprechen damit den Kategorien „saubere bzw. emissionsfreie Fahrzeuge” der Clean Vehicles Directive ÖPNV.

Mobiles Wasserstoff-Tankfahrzeug für Baumaschinen

Das britische Unternehmen Ulemco hat ein mobiles Wasserstoff-Betankungsfahrzeug für den Bausektor auf den Markt gebracht. Das System liefert Wasserstoff direkt zu den Baumaschinen auf dem Gelände und betankt diese direkt vor Ort, sodass diese nicht zur Tankstelle fahren müssen.

Der Bausektor gilt als einer der herausforderndsten Bereiche für die Dekarbonisierung. Hohe Energieanforderungen der Maschinen, schneller und kontinuierlicher Betrieb sowie fehlende Energieversorgung in frühen Bauphasen erschweren den Umstieg. Die fehlenden Vor-Ort-Betankungsmöglichkeiten von wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen stellen bisher eine technische Hürde dar.

Der HyTANKa arbeitet autonom und verfügt über ein bidirektionales Booster-System, das Wasserstoffmaschinen mit bis zu 350 bar Druck betankt. Gleichzeitig füllt es seine eigenen Tanks aus niedrigeren Druckquellen. Als Quellen dienen Flaschenpaletten oder größere Vor-Ort-Speicher. Die Integration dieser Funktionen macht das Wasserstoff-Betankungsfahrzeug unabhängig von einer festen Stromversorgung oder Kompressionsinfrastruktur. Dies ist in frühen Bauphasen oder abgelegenen Bauumgebungen entscheidend. Das Wasserstoff-Tankfahrzeug versorgt nicht nur Baumaschinen mit Wasserstoff, sondern wird selbst von einem Wasserstoff-Dual-Fuel-Motor angetrieben.

Der HyTANKa besitzt eine Straßenzulassung nach ADR-Vorschriften und wurde bereits erfolgreich mit 20-Tonnen-Wasserstoff-Baggern getestet.

 

(Quelle: MB Energy Gruppe/ See Hydrogen Mobility Consortium/ REVG Rhein-Erft-Verkehrsgesellschaft/ ULEMCo)

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