Das Reallabor wurde auf dem Testgelände Technische Sicherheit der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Horstwalde in Brandenburg in Betrieb genommen. Rund 150 Teilnehmer waren bei der Eröffnung Anfang Juli dabei.
Gefördert wird die Plattform seitens des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie mit 3,8 Millionen Euro aus Mitteln des Konjunktur- und Krisenbewältigungspakets der Bundesregierung.
Ausbau des Wasserstoffkernnetzes als Ausgangspunkt
Hintergrund der Eröffnung sei laut BAM der geplante Ausbau des deutschen Wasserstoffkernnetzes. Bis 2032 sollen mehr als 9.000 Kilometer Leitungen entstehen; ein Großteil davon durch Umstellung bestehender Erdgasleitungen. Diese Infrastruktur soll dann künftig Teil des europäischen Wasserstoffnetzes der European Hydrogen Backbone (EHB) werden.
Für einen sicheren Betrieb müssten jedoch noch verschiedene technische Fragen beantwortet werden: von der Eignung bestehender Werkstoffe bis zum Verhalten von Leitungen unter wechselnden Betriebsbedingungen. Mit ModuH2Pipe sollen diese Fragen nun untersucht werden.

Das Reallabor für Wasserstoffnetze. © Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)
Testplattform ermöglicht Material- und Sicherheitstests
Denn die Testplattform ermögliche es, starke Druckschwankungen und hohe Durchflussmengen zu simulieren. Rohrleitungen würden dabei wiederholt Drücken zwischen 10 und 85 Bar ausgesetzt, um ein Hoch- und Runterfahren der Anlage nachzustellen. Zudem ließen sich Verunreinigungen beimischen, um mögliche Alterungs- und Schädigungsprozesse von Werkstoffen sowie die Funktionsfähigkeit von Komponenten zu untersuchen. Auch Fertigungs-, Schweiß- sowie Reparaturverfahren sollen erprobt und validiert werden.
Für sicherheitskritische Fragestellungen könnten Bauteile wie Rohrleitungen oder Armaturen unter Drücken von bis zu 900 Bar getestet werden. Im Versagensfall ließen sich die Auswirkungen genau analysieren, um Schutzmaßnahmen und Sicherheitskonzepte weiterzuentwickeln.
Erkenntnisse fließen in digitale Diagnosetools
Die gewonnenen Daten sollen in die Entwicklung digitaler Diagnose- und Entscheidungswerkzeuge einfließen, etwa zur Berechnung der Restlebensdauer oder zur Optimierung von Wartungszyklen. Zerstörungsfreie Prüfverfahren würden dabei unter realen Bedingungen getestet und weiterentwickelt.
Dr. Kai Holtappels, Sprecher bei H2Safety@BAM, erklärte, die Testplattform solle ein Innovationsmotor für die Wasserstoffwirtschaft werden. Unternehmen, Netzbetreiber und Forschungseinrichtungen könnten dort neue Materialien, Bauteile und Wartungskonzepte unter praxisnahen Bedingungen erproben, so Holtappels.










