Nach sechs Jahren Planung: Baustart für H2-ready-Terminal in Stade

Nach sechs Jahren Planung und Genehmigung hat in Stade der Bau des ersten deutschen Flüssiggasterminals begonnen. Nach seiner Fertigstellung 2027 soll es zunächst flüssiges Erdgas (LNG) importieren, perspektivisch aber eine Schlüsselrolle im Wasserstoff-Kernnetz spielen.

von | 18.07.24

Beim offiziellen Spatenstich (v.l.n.r.): Jan Themlitz (Hanseatic Energy Hub), Julia S. Schlenz (Dow), Johann Killinger (Buss Gruppe), Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, Tschechiens Industrie- und Handelsminister Jozef Síkela, David Daum (Partners Group), Arturo Gonzalo Aizpiri (Enagás)
© HEH
Stade

Schon 2027 soll in Stade Deutschlands erstes landbasiertes Terminal für verflüssigte Gase den Betrieb aufnehmen. Damit in drei Jahren die nach Angaben des Betreibers Hanseatic Energy Hub (HEH) größten LNG-Tanks Europas (Füllmenge: je 240.000 m³) ans Netz gehen können, sollen in Spitzenzeiten mehr als 1.100 Menschen auf der Baustelle arbeiten. Wichtig für den Wasserstoffhochlauf: Die beiden Tanks sind „Ammoniak-ready″ und können damit sowohl LNG als auch Ammoniak umsetzen.

Den Startschuss für das Terminal gaben rund 200 Besucher mit einem gemeinsamen Spatenstich am 28. Juni. Niedersachsens Ministerpräsident Stefan Weil betonte die „zentrale Rolle“ seines Bundeslandes beim Ausbau der Energieinfrastruktur: „Nach dem ersten schwimmenden LNG-Terminal wird jetzt auch das bundesweit erste landseitige Flüssiggas-Terminal in Niedersachsen erstellt.“

Zudem befinde sich das Terminal „im Mittelpunkt“ des geplanten Wasserstoffkernnetzes, das Produktionsstätten, Speicher und industriellen Abnehmer verknüpfen soll. In Verbindung mit dem Ausbau der Windenergie verfolge Niedersachsen das Ziel, „Energiedrehschreibe Deutschlands“ zu werden.

Erste Kapazitäten sind gebucht

Zwei deutsche Energieversorger haben bereits Terminal-Kapazitäten ab 2027 gebucht. So hat sich die EnBW bereits Ende 2022 sechs Milliarden Kubikmeter und SEFE vier Milliarden Kubikmeter pro Jahr gesichert. Zusätzlich hat das tschechische Energieunternehmen ČEZ langfristige Importrechte von zwei Milliarden Kubikmetern pro Jahr reserviert. Alle Kunden haben laut Betreiber HEH die Option, ihre Verträge von LNG auf wasserstoffbasierte Energieträger wie z.B. Ammoniak umzustellen.

HEH-CEO Jan Themlitz freute sich, dass die Bauphase nun nach sechs Jahren Planung und Genehmigung beginnen könne. Dabei verwies er darauf, dass es sich um „ein europäisches Großprojekt“ handle. Dabei profitiere die HEH von der „immensen Erfahrung“ ihrer Gesellschafter:

„Partners Group ist einer der größten privaten Investoren im Infrastrukturbereich, mit Enagás übernimmt Europas führender Terminalbetreiber operative Verantwortung in Stade und trifft dort mit Dow auf den idealen Industriepartner am Standort. Als Initiator hat die Buss Gruppe das Projekt maßgeblich nach vorne getrieben und das Gesellschafterteam zusammengeführt.″

Der Stade-Bau in Zahlen

Für den Bau zeichnen der internationale Großkonzern Técnicas Reunidas und seine Partner FCC und Enka verantwortlich. Insgesamt müssen laut HEH rund 3.600 Pfähle in den Boden versenkt werden. Das Fundament sei statisch bereits so ausgelegt, dass eine spätere Umstellung auf Ammoniak möglich ist.

Zudem würden für das Terminal mehr als 60.000 Kubikmeter Beton verarbeitet, was der Füllmenge von rund 20 olympischen Schwimmbecken entspricht. Zudem müssen Stahlkonstruktionen mit 11.000 t Gesamtgewicht errichtet werden – das rund 1,5-fache Gewicht des Eiffelturms.

 

(Quelle: HEH/2024)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

H2-Projekte in Ihrer Region

Mehr als 300 Wasserstoff-Projekte in Deutschland und Europa

Hier geht's zur interaktiven Karte

Auftrag für Wasserstoffaufbereitungsanlage in Huntorf vergeben
Auftrag für Wasserstoffaufbereitungsanlage in Huntorf vergeben

Das Versorgungsunternehmen EWE AG konkretisiert seine Pläne für eine Wasserstoffspeicheranlage im niedersächsischen Huntorf. Mit Bilfinger SE wurde ein Dienstleister beauftragt, der eine Wasserstoffaufbereitungsanlage planen, installieren und in Betrieb nehmen soll. Dabei kommt nach eigenen Angaben erstmals die H2dry-Technologie im kommerziellen Maßstab zum Einsatz. Die Speicheranlage soll künftig Erzeugung, Transport und Nutzung von Wasserstoff flexibel miteinander verknüpfen und damit zur Stabilität des Energiesystems beitragen.

mehr lesen
Wasserstofftankstellen: H2 Mobility senkt Preise an 15 weiteren Standorten
Wasserstofftankstellen: H2 Mobility senkt Preise an 15 weiteren Standorten

Der Wasserstofftankstellenbetreiber H2 Mobility Deutschland GmbH & Co. KG hat den Bruttopreis für das Kilogramm Wasserstoff an 15 weiteren Tankstellen in Deutschland gesenkt. Seit dem 1. Oktober ist der Preis um 12 bis 16 Prozent niedriger. Ermöglicht werde die Senkung durch die Versorgung mit RFNBO-zertifizierten Wasserstoff in Verbindung mit Erlösen aus dem Treibhausgas-Quotenhandel (THG-Quotenhandel). Bereits im Juni 2026 gab es eine erste Preisanpassung nach unten.

mehr lesen
Energiebranche fordert Festhalten an RED-III-Zielen
Energiebranche fordert Festhalten an RED-III-Zielen

Ein Bündnis aus 170 Unternehmen aus dem europäischen Energiesektor hat ein Schreiben an die Europäische Kommission verfasst. Darin fordern sie, die Ziele der Renewable Energy Directive (RED III) für erneuerbare Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs (RFNBO) über 2030 hinaus beizubehalten. Eine Abschwächung würde ansonsten „sechs Jahre Arbeit verschwenden“. Das Schreiben folgt auf einen durchgesickerten Entwurf der EU-Kommission, der eine mögliche Abschaffung der Ziele für den Zeitraum nach 2030 in Betracht zog.

mehr lesen

H2 Talk

„Wir wollen e-Fuels vom teuren Nischenprodukt zu einer wettbewerbsfähigen Lösung entwickeln“
„Der Mittelstand ist das Kraftwerk unserer Wirtschaft"
„Versorgungssicherheit und Klimaschutz sind keine Gegensätze“

Publikationen

Netzmeister 2023

Netzmeister 2023

Erscheinungsjahr: 2023

Für die Instandhaltung der Gas-, Wasser- und Fernwärmerohrnetze, die den mit Abstand größten Teil des Anlagevermögens von Versorgungsunternehmen ausmachen, trägt der Netzmeister die Verantwortung. Um den täglichen Anforderungen gerecht werden zu ...

Zum Produkt

Wasserstoff in der Praxis, Bd. 2: Gebäude- und Messtechnik

Wasserstoff in der Praxis, Bd. 2: Gebäude- und Messtechnik

Erscheinungsjahr: 2022

Das Buchreihe „Wasserstoff in der Praxis“ vermittelt Praktikern wichtige Informationen über den Stand der Technik und zukünftige Entwicklungen. Im 2. Band stehen die Themen „Gebäudetechnik“ und „Messtechnik“ im Fokus. Das ...

Zum Produkt

Wasserstoff in der Praxis, Bd. 1: Infrastruktur

Wasserstoff in der Praxis, Bd. 1: Infrastruktur

Erscheinungsjahr: 2021

Das Buchreihe „Wasserstoff in der Praxis“ vermittelt Praktikern wichtige Informationen über den Stand der Technik und zukünftige Entwicklungen. Im 1. Band werden die Herausforderungen dargestellt, die Wasserstoff an die Gasinfrastruktur und den ...

Zum Produkt