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Neues Brennstoffzellensystem ist vergleichbar mit Dieselmotoren

Der Brennstoffzellen-Hersteller Cellcentric hat auf der Hannover Messe sein neues Brennstoffzellensystem BZA375 vorgestellt. Das System soll ab Ende des Jahrzehnts in Serie produziert werden und mit einem Dieselmotor vergleichbar sein. Zielgruppe sind Fernverkehrs-Lkw, Reisebusse, Schienenfahrzeuge, Bergbaumaschinen und stationäre Energieanlagen.

von | 30.04.26

Vorstellung des neuen Brennstoffzellensystems BZA375 auf der Hannover Messe.
© Daimler Truck AG
Neues Brennstoffzellensystem ist vergleichbar mit Dieselmotoren

Das neue Brennstoffzellensystem von Cellcentric war intern unter dem Projektnamen „NextGen“ entwickelt worden. Das BZA375 liefert bis zu 375 kW konstante Nettoleistung aus einem einzigen System-Package. Das entspricht mehr als 500 PS und das bei einem Systemgewicht unter 500 Kilogramm. 

Das Unternehmen will sich als unabhängiger Tier-1-Zulieferer positionieren und adressiert mit dem BZA375 Anwendungen, in denen hohe Leistung, lange Betriebszeiten und ein wettbewerbsfähiger Gesamtbetriebsaufwand (Total Cost of Ownership, TCO) gefordert sind. Die Entwicklung des neuen Brennstoffzellensystems dauerte nach Angaben des Herstellers weniger als drei Jahre. Es steht Kunden ab sofort für Tests und Validierungen zur Verfügung.

Technische Eckdaten

Im Vergleich zum Vorgängersystem, dem BZA150, gibt der Hersteller folgende Verbesserungen an:

  • 20 Prozent weniger Kraftstoffverbrauch: Ein voll beladener 40-Tonnen-Lkw benötigt unter realen Fahrbedingungen weniger als 6 kg Wasserstoff pro 100 Kilometer.
  • 40 Prozent weniger Abwärme: Bei 300 kW Nettoleistung, was kompaktere Kühlsysteme erlaubt.
  • 40 Prozent höhere Leistungsdichte: Ausgelegt für Bauräume konventioneller 13-Liter-Dieselmotoren.
  • 40 Prozent geringere Komponentenanzahl: Das reduziert Komplexität und Schnittstellenaufwand.

Die Lebensdauer betrage rund 25.000 Betriebsstunden. Bei einem Schwerlast-Lkw entspräche das rund zehn Jahren Betrieb, was vergleichbar mit modernen Dieselmotoren wäre

Weniger Teile, mehr Leistung

Das BZA375 ersetzt den bisherigen „Twin-System“-Ansatz, bei dem zwei BZA150-Systeme kombiniert wurden, um die für Fernverkehrs-Lkw erforderliche Leistung zu erreichen. Die Zusammenfassung in ein einzelnes Package reduziert den Integrationsaufwand für OEM-Kunden und erleichtert den Einbau in bestehende Fahrzeugplattformen, die ursprünglich für Dieselantriebe ausgelegt wurden.

Die erwartete Reichweite eines 40-Tonnen-Lkw liegt bei über 1.000 Kilometern. Betankungszeiten sollen laut Cellcentric mit denen von Diesel vergleichbar sein.

Prototypen sind bereits im Einsatz

Die Prototypenfertigung des neuen Brennstoffzellensystems hat bereits begonnen. Erste Einheiten durchlaufen seit mehreren Monaten Leistungs- und Haltbarkeitstests. Der Brennstoffzellen-Hersteller stellt Kunden vor dem Start der Serienproduktion größere Stückzahlen für Test-, Validierungs- und erste Flottenanwendungen bereit. Den Start der Serienproduktion plant das Unternehmen für das Ende der laufenden Dekade.

Nicholas Loughlan, CTO von Cellcentric, betonte die Offenheit des Unternehmens gegenüber allen OEMs: „Wir haben uns bewusst als unabhängiger Tier-1-Zulieferer positioniert und sind offen für Partnerschaften mit allen OEMs, die die Dekarbonisierung ihres Produktportfolios vorantreiben.“

Anwendungsfelder: Lkw, Bus, Schiene, Bergbau, Stationär

Cellcentric verfolgt mit dem BZA375 eine Ein-Produkt-Strategie für mehrere Anwendungsfelder. Neben dem Fernverkehrs-Lkw als primärer Zielanwendung nennt das Unternehmen folgende Märkte:

Das neue Brennstoffzellensystem BZA375

Das neue Brennstoffzellensystem BZA375 (© Daimler Truck AG)

  • Reisebusse: Langstreckenbusse erfordern hohe Reichweiten, Schnellbetankung und keine Nutzlasteinschränkungen.
  • Stationäre Energieerzeugung: Rechenzentren und Industrieanlagen gelten als Zielkunden. Die aus der Fahrzeugtechnik stammenden Spezifikationen übersteigen in einigen Bereichen die stationären Anforderungen, die erwarteten Skaleneffekte sollen das Preismodell dennoch attraktiv machen.
  • Schienenverkehr: Auf nicht elektrifizierten Strecken und bei topografisch anspruchsvollen Profilen stoßen rein batterieelektrische Züge an Grenzen. Mehrere BZA375-Einheiten lassen sich zu einer gemeinsamen Antriebseinheit kombinieren.
  • Bergbau: Bergbaufahrzeuge laufen häufig im Mehrschichtbetrieb, sind auf minimale Standzeiten angewiesen und operieren weit entfernt von Hochleistungsstromanschlüssen. Das mit Dieselfahrzeugen vergleichbare Fahrzeuggewicht von Brennstoffzellen-Elektrofahrzeugen ist in diesem Segment relevant, da die Nutzlast direkt den Betriebsertrag beeinflusst.

Wasserstoffinfrastruktur als Voraussetzung für Markthochlauf

Das Marktpotenzial des BZA375 hängt nach Einschätzung des Herstellers unmittelbar vom Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur ab. Für die Erreichung der EU-CO₂-Ziele 2030 (eine Reduktion um 45 Prozent für die gesamte Lkw- und Busflotte) seien in Europa rund 2.000 Wasserstofftankstellen für schwere Nutzfahrzeuge und Busse erforderlich.

Cellcentric argumentiert, dass eine parallele Batterie-Wasserstoff-Strategie gegenüber dem einseitigen Ausbau einer einzelnen Infrastruktur bis 2050 zwischen 300 und 500 Milliarden Euro einsparen könnte.

 

(Quelle: Cellcentric/2026)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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