Norddeutsche Bundesländer bündeln H2-Kompetenzen gegen Deindustrialisierung

Das Wasserstoff-Verbundprojekt Norddeutsches Reallabor hat auf seinem Konsortialtreffen in Hamburg eine Zwischenbilanz gezogen. Über 50 Partner aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern arbeiten am Hochlauf von grünem Wasserstoff. Das Projekt baut auf den Erkenntnissen des Vorgängerprojekts NEW 4.0 auf.

von | 26.11.25

Mitglieder der Projektsteuerungsgruppen der Energiewende-Verbundprojekte NRL und NEW 4.0 gemeinsam mit Vertreter der norddeutschen Landesregierungen und dem BMWE
© Gregor Fischer/NRL
Norddeutsche Bundesländer bündeln H2-Kompetenzen gegen Deindustrialisierung

Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wollen den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft gemeinsam vorantreiben, um eine Deindustrialisierung der Region zu vermeiden. Beim Konsortialtreffen des Norddeutschen Reallabors (NRL) in Hamburg trafen sich am 6. November 2025 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

Das NRL startete vor viereinhalb Jahren. Mittlerweile wirken über 50 Partner aus Energiewirtschaft, Industrie, Wissenschaft und Politik mit. Das Projekt setzt auf Sektorkopplung – die Verbindung erneuerbarer Stromerzeugung mit Wärme, Mobilität und Industrie.

Aufbau auf Vorgängerprojekt NEW 4.0

Das NRL baut auf dem Projekt NEW 4.0 auf. NEW 4.0 erprobte zwischen 2016 und 2021 die 100-prozentige Versorgung von Hamburg und Schleswig-Holstein mit erneuerbarem Strom. Mike Blicker vom Competence Center für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz der HAW Hamburg koordiniert das Projekt. Er betonte: Die Kooperation zwischen den Regionen bringe die Energiewende voran.

In Fachsessions präsentierten die Partner ihre Arbeit zu Flexibilitätsstrategien, dem Wasserstoffhochlauf und den regulatorischen Rahmenbedingungen. Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank, Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Tobias Goldschmidt und Staatssekretärin Ines Jesse aus Mecklenburg-Vorpommern diskutierten über Standortvorteile des Nordens. Die Debatte zeigte: Der Pfad zur Klimaneutralität erfordert den Abbau regulatorischer Hürden.

Elektrolyseur steigert Biogasausbeute

Die Stadtreinigung Hamburg nahm Anfang Oktober einen 1-MW-Elektrolyseur im Biogas- und Kompostwerk Bützberg in Betrieb. Die Beimischung von grünem Wasserstoff im Vergärungsprozess steigert die Biogasausbeute, sodass mehr Biomethan ins öffentliche Gasnetz eingespeist werden kann.

Parallel läuft am Hamburger Flughafen ein Test mit einem wasserstoffbetriebenen Gepäckschlepper. Die Betreiber untersuchen technische Funktionalität, Verbrauchswerte und wirtschaftliche Machbarkeit.

Neuer Partner plant 5-MW-Elektrolyseur auf Rügen

Mit der Hyfuels GmbH gewann das NRL einen neuen Partner in Mecklenburg-Vorpommern. Das Unternehmen plant einen 5-MW-Elektrolyseur auf Rügen. Der Elektrolyseur soll maritime sowie straßengebundene Mobilitätsanbieter versorgen.

Fegebank sieht Norddeutschland als Region, in der die Energiewende konkret wird, die dadurch Taktgeber der Energiewende sein kann und eine Deindustrialisierung verhindern könne. Jesse betont die enge Zusammenarbeit der norddeutschen Länder. Goldschmidt hob die Verbindung von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik hervor. Das NRL schaffe innovative sowie technisch und wirtschaftlich tragfähige Lösungen.

 

(Quelle: Norddeutsches Reallabor/2025)

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