Der PtX-Markt durchläuft eine Konsolidierungsphase. Das zeigt das „Power-to-X-Barometer 2026″, das EY-Parthenon und der VDMA am 16. März 2026 veröffentlicht haben. Zwischen 2021 und 2023 basierten viele Projektplanungen auf Annahmen, die sich nicht bestätigt haben: niedrige Strompreise, hohe Volllaststunden und zügige Genehmigungsverfahren. Die Realität sieht anders aus: Strompreise bleiben volatil, Netzanschlüsse verzögern sich und die Kapitalkosten sind gestiegen. Nur die Vorhaben mit klaren Genehmigungs- und Infrastrukturperspektiven sowie bankfähigen Abnahmeverträgen mit kreditwürdigen Käufern setzen sich durch.
„Wir werden in Deutschland und Europa in den kommenden Jahren weniger, aber dafür robustere Projekte sehen“, sagt Cornelius Knecht, Sector Lead Industrial Products Europe West bei EY-Parthenon.
Die Studie zeigt anhand konkreter Marktdaten, wie sich der PtX-Sektor aktuell entwickelt. Das globale Transaktionsvolumen ist deutlich gestiegen: bei grünem Wasserstoff hat es sich etwa vervierfacht (von rund 444 Millionen Euro in 2023 auf knapp 1,9 Milliarden Euro in 2024) und bei Derivaten und synthetischen Kraftstoffen hat es sich etwa verdoppelt (von rund 904 Millionen Euro auf 1,7 Milliarden Euro).
Parallel ist die installierte Elektrolyseleistung weltweit von etwa 2,0 GW (2024) auf 4,9 GW (2025) gewachsen. Davon entfallen rund vier Prozent auf Deutschland.
Gleichzeitig bleibt die Kostenlücke erheblich: Grüner Wasserstoff liegt in Europa bei rund 6,8 Euro pro Kilogramm und damit deutlich über grauem Wasserstoff, der bei ca. 3,4 Euro pro Kilogramm liegt. Diese wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erklären, warum Investitionen selektiver werden und sich der Markt stärker auf realisierbare Geschäftsmodelle konzentriert.
Cluster-Ansätze und hybride Portfolios als Zukunftsmodell
EY-Parthenon und VDMA prognostizieren, dass sich clusterorientierte Ansätze verstärken werden – rund um Häfen, Chemieparks und Industriezentren, in denen Strom, Moleküle, CO₂-Logistik und Abnehmer zusammenkommen.
Die Autoren gehen davon aus, dass hybride Portfolios dabei zur Norm werden. Grüner Wasserstoff wird dort zum Einsatz kommen, wo erneuerbarer Strom in ausreichender Menge zu wettbewerbsfähigen Kosten verfügbar ist. An anderen Orten wird auf blauen Wasserstoff gesetzt. Dort, wo CO₂-Speicherung und Gasversorgung verlässlich organisiert werden können. Die Optimierung wird künftig nicht nach Wasserstofffarbe erfolgen, sondern nach den niedrigsten Lieferkosten pro zertifizierter CO₂-Intensität.
Drei Hebel für den Markthochlauf
In dem „Power-to-X-Barometer 2026″ identifizierten die Herausgeber drei zentrale Stellschrauben, um den Markthochlauf von zu beschleunigen:
- Verlässliche Erlösunterstützung. Instrumente wie Carbon Contracts for Difference (CCfD) oder die H2Global-Ausschreibungen sichern einen kalkulierbaren Mindestpreis für klimafreundliche Moleküle. Sie schaffen planbare Cashflows, erhöhen die Bankfähigkeit von Projekten und stärken die Investitionssicherheit.
- Vertrauenswürdige Zertifizierung. Ein grenzüberschreitend anschlussfähiges Zertifizierungssystem ist Voraussetzung dafür, dass Käufer, Investoren und Prüfer Klimawirkung und Herkunft von PtX-Produkten verlässlich bewerten können. Unklare oder uneinheitliche Nachweise bremsen Nachfrage und Finanzierung.
- Zuverlässiger Infrastrukturzugang. Netzanschlüsse, Wasserstoffpipelines sowie Transport- und Speicherkapazitäten für CO₂ müssen als planbare und zugängliche Infrastrukturen verfügbar sein. Transparente Tarife und verlässliche Kapazitätsbuchungen sind Voraussetzung dafür, dass aus Projektideen finanzierbare Vorhaben werden.
15 Erfolgsfaktoren: Was über Umsetzung und Skalierung entscheidet
Die Autoren identifizieren zudem 15 Erfolgsfaktoren für PtX-Projekte, die sich drei Dimensionen zuordnen lassen:
- Markt
- Standort
- Technologie und Fähigkeiten
Entscheidend sind demnach vor allem wettbewerbsfähige Strom- und Produktionskosten, eine langfristig abgesicherte Nachfrage sowie stabile Finanzierungs- und Regulierungsbedingungen. Hinzu kommen Standortfaktoren wie ein Infrastrukturzugang und die Integration in bestehende Wertschöpfungsketten. Auf technologischer Seite sind insbesondere Skalierbarkeit und Flexibilität ausschlaggebend. Die Studie macht deutlich: Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren entscheidet darüber, ob Projekte von der Planung in die Umsetzung gelangen.
„Der Markthochlauf von Power-to-X entscheidet sich an Investitionssicherheit, Nachfrage und Umsetzung, nicht an der Technologie„, sagt Peter Müller-Baum, Managing Director VDMA Power-to-X for Applications. Die Studie analysiert internationale Referenzprojekte, die als Blaupause für Europa dienen können.







