Produktion von Membranen für die AEM-Elektrolyse startet in Marl

Das Chemie-Unternehmen Evonik Industries AG hat in Marl die Produktion einer neuen Membran für die AEM-Elektrolyse (Anionen-Austausch-Membran) gestartet. Die Pilotanlage soll jährlich Membranen für bis zu 2,5 GW Elektrolyseleistung fertigen. Laut Unternehmen entspricht das einem Viertel der für 2030 geplanten Elektrolysekapazität in Deutschland.

von | 30.06.26

Produktionsanlage in Marl.
© Evonik Industries AG
Produktion von Membranen für die AEM-Elektrolyse startet in Marl

Grüner Wasserstoff ist je nach Region noch etwa doppelt bis viermal so teuer wie grauer Wasserstoff aus fossilen Quellen. Neben hohen Energiepreisen wirke sich auch die eingesetzte Elektrolysetechnologie auf die Wirtschaftlichkeit der Produktion aus. So seien die herkömmlichen Verfahren in ihrer Effizienz begrenzt oder erforderten hohe Investitionen.

Die AEM-Elektrolyse soll diese Probleme laut Evonik lösen. Dafür habe das Unternehmen die anionenleitende DURAION-Membran entwickelt.

AEM-Technologie soll Investitionskosten senken

Die Elektrolyse-Technologie läuft in basischer Umgebung ab, was den Einsatz edelmetallfreier und damit kostengünstigerer Materialien ermögliche. Laut Fachstudien lassen sich dadurch mindestens 25 Prozent der Investitionskosten einsparen. Da die AEM-Elektrolyse Wasserstoff direkt unter Druck produzieren könne, würden zusätzliche und kostenintensive Kompressionsschritte entfallen. Zudem eigne sie sich aufgrund ihrer Flexibilität für den Betrieb mit schwankend verfügbarem Strom aus Wind und Sonne.

Die DURAION-Membran soll in der AEM-Elektrolyse eingesetzt werden. Sie vereine dort Ionenleitfähigkeit mit chemischer und mechanischer Stabilität. Bei der Herstellung kommen laut Unternehmen zudem keine PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) zum Einsatz. Ausgelegt sei die Membran für den Betrieb unter hohen Stromdichten und Drücken.

Beschichtungsanlage zählt zu den größten weltweit

Mit der Pilotanlage läuft nun die Membranproduktion in Marl an. Die rund 20 Meter lange Beschichtungsanlage zählt nach Unternehmensangaben zu den weltweit größten ihrer Art. Sie stelle die Membran in einer Breite von bis zu einem Meter her, die sich damit für großflächige Elektrolyseure eigne. Jährlich soll die Pilotanlage Membranen für bis zu 2,5 GW Elektrolyseleistung fertigen.

Christian Däschlein, Leiter der New Growth Area AEM bei Evonik, erklärte: „Unsere Stärke ist die vollständige Rückwärtsintegration – von den Startmolekülen bis hin zur fertigen Membranrolle. So können wir nicht nur große Mengen liefern, sondern auch ausgezeichnete Produkteigenschaften bei gleichbleibend hoher Qualität.“

Neues Technologiezentrum in Shanghai

Parallel zum Produktionsstart in Deutschland nimmt das neue Evonik AEM Center Shanghai seine Arbeit auf. Es ist das erste technologieorientierte Anwendungstechnikzentrum des Konzerns in Asien. Der Schwerpunkt liege auf der AEM-Elektrolyse und ihrer Integration in die Wasserstoffinfrastruktur.

Im Evonik AEM Center Shanghai sollen die in Marl produzierten Membranen unter industriellen Bedingungen gemeinsam mit lokalen Partnern und Kunden getestet werden. Das Zentrum richte sich an globale Abnehmer.

 

(Quelle: Evonik Industries AG/2026)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

H2-Projekte in Ihrer Region

Mehr als 300 Wasserstoff-Projekte in Deutschland und Europa

Hier geht's zur interaktiven Karte

Auftrag für Wasserstoffaufbereitungsanlage in Huntorf vergeben
Auftrag für Wasserstoffaufbereitungsanlage in Huntorf vergeben

Das Versorgungsunternehmen EWE AG konkretisiert seine Pläne für eine Wasserstoffspeicheranlage im niedersächsischen Huntorf. Mit Bilfinger SE wurde ein Dienstleister beauftragt, der eine Wasserstoffaufbereitungsanlage planen, installieren und in Betrieb nehmen soll. Dabei kommt nach eigenen Angaben erstmals die H2dry-Technologie im kommerziellen Maßstab zum Einsatz. Die Speicheranlage soll künftig Erzeugung, Transport und Nutzung von Wasserstoff flexibel miteinander verknüpfen und damit zur Stabilität des Energiesystems beitragen.

mehr lesen
Wasserstofftankstellen: H2 Mobility senkt Preise an 15 weiteren Standorten
Wasserstofftankstellen: H2 Mobility senkt Preise an 15 weiteren Standorten

Der Wasserstofftankstellenbetreiber H2 Mobility Deutschland GmbH & Co. KG hat den Bruttopreis für das Kilogramm Wasserstoff an 15 weiteren Tankstellen in Deutschland gesenkt. Seit dem 1. Oktober ist der Preis um 12 bis 16 Prozent niedriger. Ermöglicht werde die Senkung durch die Versorgung mit RFNBO-zertifizierten Wasserstoff in Verbindung mit Erlösen aus dem Treibhausgas-Quotenhandel (THG-Quotenhandel). Bereits im Juni 2026 gab es eine erste Preisanpassung nach unten.

mehr lesen
Energiebranche fordert Festhalten an RED-III-Zielen
Energiebranche fordert Festhalten an RED-III-Zielen

Ein Bündnis aus 170 Unternehmen aus dem europäischen Energiesektor hat ein Schreiben an die Europäische Kommission verfasst. Darin fordern sie, die Ziele der Renewable Energy Directive (RED III) für erneuerbare Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs (RFNBO) über 2030 hinaus beizubehalten. Eine Abschwächung würde ansonsten „sechs Jahre Arbeit verschwenden“. Das Schreiben folgt auf einen durchgesickerten Entwurf der EU-Kommission, der eine mögliche Abschaffung der Ziele für den Zeitraum nach 2030 in Betracht zog.

mehr lesen

H2 Talk

„Wir wollen e-Fuels vom teuren Nischenprodukt zu einer wettbewerbsfähigen Lösung entwickeln“
„Der Mittelstand ist das Kraftwerk unserer Wirtschaft"
„Versorgungssicherheit und Klimaschutz sind keine Gegensätze“

Publikationen

Power-to-Gas

Power-to-Gas

Erscheinungsjahr: 2020

Das Fachbuch fasst aktuelles Wissen zu Power-to-Gas zusammen und bereitet es für Ingenieure der Energie- und Gasversorgung auf. Es wird die gesamte Wertschöpfungskette vom bereitgestellten Strom über die Erzeugung von Wasserstoff und die Integration ...

Zum Produkt

Erneuerbarer Wasserstoff mit Solar-Wind-Hybridkraftwerken

Erneuerbarer Wasserstoff mit Solar-Wind-Hybridkraftwerken

Autor: Raphael Niepelt, Rolf Brendel

Grüner Wasserstoff ist ein Schlüsselelement für die Transformation und Defossilierung des Energiesystems. Mit der Nationalen Wasserstoffstrategie hat sich die Politik klar zu grünem Wasserstoff bekannt, wobei der Bedarf vor allem über Importe aus ...

Zum Produkt