Letzte Woche war Rotterdam der Mittelpunkt der globalen Wasserstoffbranche. Vom 19. bis 21. Mai hat dort der World Hydrogen Summit 2026 stattgefunden. Die Messe stand unter dem Leitthema „Klimaschutz, Energie und nationale Sicherheit: Wasserstoffnachfrage für globale Prioritäten erschließen.“ Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich Wasserstoffnachfrage in industriellem Maßstab erzeugen lässt. Die Veranstaltung wurde gemeinsam von der Sustainable Energy Council (SEC), RX Global, der niederländischen Regierung, der Provinz Zuid-Holland, der Stadt Rotterdam und dem Hafenbetrieb Rotterdam organisiert.
Die Niederlande positionieren sich dabei als zentraler Energiepartner für Deutschland. Als Importeur, Produzent und Transitpartner soll das Land über den Hafen Rotterdam den Zugang zu grünem Wasserstoff für die energieintensive Industrie in Nordwesteuropa sichern.
König im Wasserstoff-Fieber
Der niederländische König Willem-Alexander hat am 20. Mai im Rahmen des World Hydrogen Summits einen digitalen Wasserstoff-Guide gestartet. Das Verzeichnis enthält 270 Unternehmensprofile aus dem niederländischen Wasserstoffsektor und gibt damit erstmals einen strukturierten Überblick über die Breite der niederländischen Branche. Herausgeber sind Nederland Waterstofland, TKI Duurzame Energie, FME und die niederländische Unternehmensagentur (RVO). Der Guide richtet sich an Unternehmen, Investoren und politische Entscheidungsträger, die Partner oder Lieferanten im niederländischen Wasserstoffmarkt suchen.
Am selben Tag nahm der König außerdem den ersten Abschnitt des nationalen Wasserstoffnetzes symbolisch in Betrieb. Gemeinsam mit Klimaministerin Stientje van Veldhoven und Gasunie-CEO Willemien Terpstra markierte er die Fertigstellung einer 32 Kilometer langen Pipeline zwischen Maasvlakte und Pernis im Hafen von Rotterdam. Der Bau des Netzes hatte im Oktober 2023 begonnen.
Die Leitung transportiert ab sofort grünen Wasserstoff von Shell’s 200-MW-Elektrolyseur im ersten Konversionspark auf der Maasvlakte zur Shell-Raffinerie in Pernis. Dort ersetzt grüner Wasserstoff teilweise den bisher eingesetzten grauen Wasserstoff, der aus Erdgas hergestellt wird. Auch Air Liquide baut auf der Maasvlakte einen 200-MW-Elektrolyseur. Dieser soll an ein eigenes Pipelinesystem bis ins Antwerpener Industriegebiet angebunden werden.
Das niederländische Wasserstoffnetz soll schrittweise auf rund 1.200 Kilometer ausgebaut werden, überwiegend durch Umrüstung bestehender Erdgasleitungen. Bis spätestens 2033 sollen alle großen Industriecluster der Niederlande angeschlossen sein.
Niederlande und Deutschland verbinden ihre Wasserstoffnetze
Damit das niederländische Wasserstoffnetz und das deutsche Kernnetz miteinander verbunden werden, benötigt es Grenzübergangspunkte. Für einen dieser grenzüberschreitenden Wasserstoffkorridore haben Gasunie, Open Grid Europe (OGE) und Thyssengas am 21. Mai ein Joint Development Agreement unterschrieben. Die Vereinbarung wurde in Anwesenheit der niederländischen Klimaministerin Van Veldhoven sowie des deutschen parlamentarischen Staatssekretärs Stefan Rouenhoff unterzeichnet. Thyssengas-CEO Stefanie Kesting verwies auf den Beitrag zur Versorgungssicherheit und Dekarbonisierung für die Industrie und den Mittelstand im Nordwesten Deutschlands.
Der geplante Grenzübergangspunkt liegt bei Zevenaar in den Niederlanden und auf der deutschen Seite bei Elten in Nordrhein-Westfalen. Wo möglich, sollen auch hier bestehende Erdgasleitungen auf Wasserstoff umgestellt werden. OGE-CEO Thomas Hüwener betonte, dass die Nutzung bestehender Infrastruktur den Hochlauf schneller und wirtschaftlich tragfähig mache.
In der ersten Phase liegt der Fokus auf der Anbindung der Rhein-Ruhr-Region, danach sollen südliche Standorte wie Ludwigshafen folgen. Auf niederländischer Seite fungiert der Delta-Rhein-Korridor als Bindeglied zwischen dem Hafen Rotterdam und dem deutschen Netz. Die Inbetriebnahme ist dann für 2031 geplant.
FID für Elektrolyseur in Delfzijl getroffen
Power2X hat am 21. Mai die finale Investitionsentscheidung für das Djewels-Projekt in Delfzijl getroffen. Die 20-MW-Anlage im Chemiepark Delfzijl (CPD) soll ab Mitte 2028 rund 2.000 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr für industrielle Abnehmer in der Region produzieren. Es ist das erste Power2X-Projekt, das in die Bauphase eintritt.
Als EPC (Engineering, Procurement, Construction)-Auftragnehmer fungiert Rely, ein Joint Venture von Technip Energies und John Cockerill. Die Anlage nutzt druckbeaufschlagte alkalische Elektrolyse von John Cockerill, die Wasserstoff bei höherem Druck und höherer Stromdichte produziert. Das Verfahren soll einen geringeren Flächenverbrauch und niedrigere Kosten für künftige Großanlagen ermöglichen. Das Projekt erhält Förderung von der Provinz Groningen, dem Waddenfonds, der EU über die Clean Hydrogen Partnership und dem niederländischen Ministerium für Klima und grünes Wachstum.
Ebenfalls am 21. Mai gab Power2X bekannt, KBR als Project Management Consultant (PMC) für das eFuels-Rotterdam-Projekt beauftragt zu haben. KBR übernimmt das Projektmanagement für die bevorstehenden FEED- und Ausführungsphasen inklusive Kosten, Terminplanung, Qualität und Sicherheit sowie der Funktion als Owner’s Engineer.
Das Projekt soll mehr als 250.000 Tonnen e-SAF (synthetischer nachhaltiger Flugkraftstoff) pro Jahr produzieren. Die Anlage entsteht am ehemaligen Alchemy-Standort im Botlek-Bereich des Hafens Rotterdam. Lagerung, Umschlag und Blending übernimmt der strategische Partner Advario. Das Projekt soll in der ersten Phase (2030–2032) einen wesentlichen Teil der ReFuelEU-Beimischungspflichten abdecken und wäre damit die größte e-SAF-Anlage Europas.
Rotterdam bündelt regionale Wasserstoffkräfte
Während des World Hydrogen Summit 2026 startete zudem die Initiative LAUNCH2. Das Bündnis vereint den Hafenbetrieb Rotterdam, die Städte Rotterdam und Schiedam, die Provinz Zuid-Holland, InnovationQuarter, TU Delft, TNO und Smart Delta Drechtsteden. Ziel ist es, Unternehmen beim Aufbau regionaler Wasserstoffketten schneller zu unterstützen. LAUNCH2 vermittelt dafür Partner, transferiert Wissen und erschließt den Zugang zu Infrastruktur und Testkapazitäten.










