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Rückblick auf das Wasserstoffjahr 2025 – Teil 1

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und wir werfen einen Blick zurück. Wo steht die deutsche Wasserstoffbranche am Ende von 2025? Hat der Markthochlauf an Fahrt aufgenommen? Ist der Aufbau der Wasserstoff-Infrastruktur vorangeschritten? Welche Projektmeilensteine wurden erreicht? Welche regulatorischen Weichen wurden gestellt? Ein Überblick über die wichtigsten Entwicklungen in der heimischen Wasserstoffwirtschaft im ersten Halbjahr.

von | 29.12.25

2025 ist fast vorbei. Hier unser Wasserstoff-Jahresrückblick
KI generiert
Jahresrückblick Rückblick auf das Wasserstoffjahr 2025

Januar: Großversuch zur Wasserstoff-Speicherung in Salzkavernen

Zu Beginn des Jahres startete in Etzel (Ostfriesland) ein Großversuch zur Wasserstoff-Speicherung: Im Projekt H2CAST begannen Storag Etzel und Gasunie mit der Einspeicherung von insgesamt 90 Tonnen Wasserstoff in zwei umgerüstete Salzkavernen.

Die Befüllung der beiden Kavernen markierte laut den Betreibern den Übergang von Machbarkeitsstudien zur praktischen Demonstration im industriellen Maßstab und könnte als Blaupause für die Umwidmung weiterer Kavernen dienen.

Großvolumige Wasserstoffspeicher sind von strategischer Bedeutung, da sie Produktionsschwankungen aus erneuerbaren Energien ausgleichen und längere Erzeugungspausen – etwa während Dunkelflauten – überbrücken können.

Im weiteren Verlauf des Jahres konnte der Großversuch und damit die erste Phase „H2CAST Ready“ erfolgreich abgeschlossen werden: Die Eignung der Kavernen als unterirdische Wasserstoffspeicher und die H₂-Dichtheit der verbauten Materialien konnten nachgewiesen werden. Mit dem Beginn der Arbeiten an der Obertageanlage wurde die Projektphase „H2CAST Prove“ planmäßig weitergeführt. Die Projektphase soll den bestimmungsgemäßen Betrieb der Anlagen und die Gewährleistung der angestrebten Wasserstoffqualität nachweisen.

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Februar: Baustart des Salzgitter-Elektrolyseurs für grünen Stahl

Im Februar fiel der Startschuss für den Bau eines 100-MW-Elektrolyseurs in Salzgitter. Die Anlage ist ein zentraler Bestandteil des SALCOS-Programms (Salzgitter Low CO₂ Steelmaking).

Der von Andritz gelieferten Elektrolyseur mit Druck-Alkali-Technologie von HydrogenPro soll ab 2026 jährlich rund 9.000 Tonnen grünen Wasserstoff produzieren. Der Stahlkonzern will das grüne Gas in der benachbarten Direktreduktionsanlage (DRI) einsetzen, um Eisenerz CO₂-frei zu reduzieren.

Obwohl die Wasserstoffproduktion des Elektrolyseurs nur etwa fünf Prozent des Gesamtbedarfs decken wird, sei das Projekt ein wichtiger Schritt zur Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern. Mit den parallel entstehenden Anlagen – der DRI und dem Elektrolichtbogenofen – realisiert Salzgitter die erste Stufe einer Transformation, die bis 2033 zur nahezu CO₂-freien Stahlproduktion führen soll.

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März: Deutschlands größter PEM-Elektrolyseur geht ans Netz

Im dritten Monat des Jahres sorgte ebenfalls ein Elektrolyseur für Schlagzeilen. Hier ging es jedoch nicht um einen Baustart, sondern um eine Inbetriebnahme. Im März startet BASF die Wasserstoff-Produktion mit dem bisher größten PEM-Elektrolyseur in Deutschland. Der 54-MW-Elektrolyseur in Ludwigshafen umfasst 72 Stacks und kann nach Angaben des Chemiekonzerns stündlich bis zu eine Tonne Wasserstoff produzieren.

Das grüne Gas wird direkt in das standorteigene Wasserstoff-Netz eingespeist und in die bestehende chemische Produktionsinfrastruktur integriert. Dort ersetzt das erneuerbare Gas teilweise fossil erzeugten Wasserstoff. So können laut Angaben von BASF jährlich bis zu 72.000 Tonnen CO₂ eingespart werden.

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März: Erste Kilometer des Wasserstoff-Kernnetzes gehen in Betrieb

Bereits zu Beginn des Jahres kündigten die Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) an, dass 2025 die ersten 525 Kilometer des Wasserstoff-Kernnetzes in Betrieb gehen sollen. Im März fiel dann der endgültige Startschuss für das deutsche H₂-Netz: Die Nowega GmbH befüllte die ersten 55 Leitungskilometer. Die Erstbefüllung der Wasserstoff-Pipeline zwischen Lingen und Bad Bentheim fand am Freitag, den 27. März, in Nordhorn statt.

Von den für 2025 geplanten 525 Kilometern Kernnetz sind nur etwa 19 Kilometer davon Neubau, der überwiegende Teil entsteht durch die Umrüstung bestehender Erdgasleitungen. Das Herzstück bildet die fast 400 Kilometer lange Nord-Süd-Verbindung von Lubmin an der Ostsee bis nach Sachsen-Anhalt. Dafür rüsteten die beteiligten FNB Abschnitte der OPAL- und JAGAL-Pipelines um. Damit schaffen Gascade, Ontras und Nowega die Grundlage für die Wasserstoff-Versorgung wichtiger Industriestandorte, darunter das mitteldeutsche Chemie-Zentrum Bitterfeld-Wolfen und die TotalEnergies-Raffinerie in Leuna.

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April: Erstes RFNBO-Zertifikat für grünen Wasserstoff in Deutschland

Ein wichtiger regulatorischer Durchbruch passierte im April: Air Liquide erhielt als erstes Unternehmen in Deutschland die offizielle RFNBO-Zertifizierung (Renewable Fuels of Non-Biological Origin) für ihren 20-MW-Elektrolyseur in Oberhausen.

Der vom „Trailblazer” produzierte Wasserstoff ist nach dem ISCC-EU-Zertifizierungsschema als erneuerbarer Kraftstoff anerkannt. Die vorher fehlende Zertifizierung war ein „gravierendes Hindernis“ im kommerziellen Betrieb der bereits 2024 eingeweihten Anlage. Mit dem RFNBO-Nachweis können Kunden aus Mobilität und Industrie den Wasserstoff nun auf die gesetzliche Treibhausgasminderungsquote anrechnen, was wirtschaftliche Anreize schafft.

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Mai: Erste Großproduktion von erneuerbarem Ammoniak in Ludwigshafen

Im Mai startete BASF am Standort Ludwigshafen als erstes Unternehmen in Mitteleuropa die Produktion von erneuerbarem Ammoniak. Durch die Einspeisung von grünem Wasserstoff in die bestehende Ammoniakanlage kann der Konzern den Erdgasverbrauch signifikant reduzieren. Das Projekt folgte zeitlich auf die Inbetriebnahme des 54-MW-Elektrolyseurs am selben Standort. Neben der Verwendung als chemischer Rohstoff kann das synthetische Produkt auch als Basischemikalie für nachhaltige Kunststoffe dienen.

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Juni: Eröffnung der Elektrolyseur-Gigafactory in Erfurt

Mit der Eröffnung der Elektrolyseur-Gigafactory in Erfurt schuf Andritz im Juni einen wichtigen Standort für den Aufbau der heimischen Elektrolyseur-Produktion.

Die Anlage verfügt über eine anfängliche Produktionskapazität von etwa einem Gigawatt, was 160 bis 200 Elektrolyseuren pro Jahr entspricht. Die ersten produzierten Elektrolyseure sind für die 100-MW-Wasserstoffanlage der Salzgitter AG bestimmt. Bereits seit März wurden am Standort Schlüsselkomponenten wie Elektrolyse-Stacks und Phasenseparatoren gefertigt.

Die auf der Technologie des norwegischen Partners HydrogenPro basierende Produktion kann je nach Kundennachfrage flexibel hochskaliert werden – die Infrastruktur ist für eine Erweiterung auf bis zu 4,5 Gigawatt ausgelegt.

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Juni: Europas größte e-Fuels-Anlage nimmt Betrieb auf

Im Juni eröffnete Ineratec im Industriepark Frankfurt-Höchst die nach eigenen Angaben größte Power-to-Liquid-Anlage Europas. Die „ERA ONE” genannte Produktionsstätte stellt über das Fischer-Tropsch-Verfahren jährlich bis zu 2.500 Tonnen e-Fuels aus CO₂ und Wasserstoff her. Die Ausgangsstoffe stammen direkt aus dem Industriepark: Das CO₂ wird aus einer Biogasanlage recycelt, während der Wasserstoff als Nebenprodukt der Chlorproduktion anfällt.

Das synthetische Rohöl wird zu nachhaltigem Flugkraftstoff (e-SAF), e-Diesel und anderen Produkten weiterverarbeitet, die „drop-in ready” sind und ohne Anpassungen in bestehenden Systemen eingesetzt werden können.

Die Anlage erfüllt damit erstmals in Europa die wachsende Nachfrage nach kommerziellen Mengen synthetischer Kraftstoffe für schwer zu elektrifizierende Sektoren wie Luftfahrt und Schifffahrt.

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