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Rückblick auf das Wasserstoffjahr 2025 – Teil 2

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und wir werfen einen Blick zurück. Wo steht die deutsche Wasserstoffbranche am Ende von 2025? Hat der Markthochlauf an Fahrt aufgenommen? Ist der Aufbau der Wasserstoff-Infrastruktur vorangeschritten? Welche Projektmeilensteine wurden erreicht? Welche regulatorischen Weichen wurden gestellt? Ein Überblick über die wichtigsten Entwicklungen in der heimischen Wasserstoffwirtschaft im zweiten Halbjahr.

von | 30.12.25

2025 ist fast vorbei. Hier unser Wasserstoff-Jahresrückblick
KI generiert
Jahresrückblick Rückblick auf das Wasserstoffjahr 2025
Zum ersten Teil des Jahresrückblicks

Juli: Bundesnetzagentur legt Hochlaufentgelt für Kernnetz fest

Nachdem der Bundestag im April 2024 das zweite Gesetz zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) beschlossen hat, das außerdem die notwendigen Regelungen zur Finanzierung des Wasserstoff-Kernnetzes enthält, legte die Bundesnetzagentur im Juli 2025 das Hochlaufentgelt für die Finanzierung des Wasserstoff-Kernnetzes fest. Die Festlegung ist ein wichtiger Schritt, um private Investitionen in das bis zu 20 Milliarden Euro teure Kernnetz zu ermöglichen.

Das bundesweit einheitliche Entgelt beträgt 25 Euro pro Kilowattstunde pro Stunde und Jahr und gilt für Ein- und Ausspeisungen und soll das Netz bis 2055 amortisieren, während es gleichzeitig marktgängig bleiben muss. Der Wert basiert auf einer fundierten Analyse verschiedener Szenarien zur Marktentwicklung und liegt am oberen Rand des von Experten ermittelten Korridors. Das Hochlaufentgelt wird jährlich an die Geldwertentwicklung angepasst und mindestens alle drei Jahre überprüft.

Der Mechanismus soll das fundamentale Problem in der Startphase lösen: Während anfänglich nur wenige Kunden das Netz nutzen und die Kosten hoch sind, entstehen zunächst Mindererlöse, die auf einem Kostenallokationskonto verbucht werden. Später sollen Mehrerlöse diese ausgleichen.

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Oktober: Bundeskabinett beschließt Wasserstoff-Beschleunigungsgesetz

Das im Oktober vom Bundeskabinett beschlossene Wasserstoff-Beschleunigungsgesetz zielt darauf ab, Planungs- und Genehmigungsverfahren grundlegend zu verkürzen. Das Gesetz erfasst die gesamte Wertschöpfungskette – von Elektrolyseuren und Importanlagen über Leitungen bis hin zu Speichern – und führt konkrete Beschleunigungsinstrumente ein.

Dazu zählen klare Fristenregelungen (beispielsweise zwölf Monate für Planfeststellungsbeschlüsse), umfassende Vorgaben zur Digitalisierung aller Verfahren und beschleunigte Vergabeverfahren. Ein zentrales Element ist die Festlegung, dass Wasserstoffprojekte im „überragenden öffentlichen Interesse“ liegen, was ihnen in Zulassungsentscheidungen besonderes Gewicht verleiht. Dabei bleiben Belange des Trinkwasserschutzes und des Wasserhaushalts ausdrücklich gewahrt.

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November: Spatenstich für 320-MW-Elektrolyseur in Emden

Am 28. November startete der Oldenburger Energieversorger EWE offiziell den Bau seines 320-MW-Elektrolyseurs in Emden. Das Projekt ist das Herzstück von „Clean Hydrogen Coastline“, einem mehrteiligen Gesamtkonzept aus Erzeugung, Speicherung und Transport. Ab Ende 2027 soll die Anlage grünen Wasserstoff im industriellen Maßstab produzieren und direkt ins deutsche Wasserstoffkernnetz einspeisen.

Das Gesamtprojekt umfasst neben dem Elektrolyseur die Umrüstung einer Salzkaverne in Huntorf zur großtechnischen Wasserstoffspeicherung sowie den Aufbau einer Pipeline-Achse zwischen Wilhelmshaven, Leer und Emden als Teil des bundesweiten Wasserstoffkernnetzes.

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Dezember: Grundsteinlegung für 100-MW-Elektrolyseur in Hamburg-Moorburg

Am 1. Dezember legten Vertreter der Projektpartner Luxcara und Hamburger Energiewerke den Grundstein für den Hamburg Green Hydrogen Hub in Hamburg. Auf dem Gelände des ehemaligen Kohlekraftwerks Moorburg entsteht nun der 100-MW-Elektrolyseur. Das von Siemens Energy gelieferte PEM-System soll ab der zweiten Jahreshälfte 2027 jährlich rund 10.000 Tonnen grünen Wasserstoff produzieren und damit einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung des Hamburger Hafens und der Industrie leisten. Langfristig ist eine Skalierung auf bis zu 800 Megawatt geplant.

Die strategische Bedeutung des Standorts liegt in der bereits vorhandenen Infrastruktur: Ein 380-kV-Höchstspannungsnetz aus Kohlekraftwerkszeiten, seeschifftiefes Wasser für künftige Wasserstoff- und Ammoniakimporte sowie die geplante Anbindung an das Hamburger Wasserstoff-Industrie-Netz HH-WIN. Das Projekt soll demonstrieren, wie industrieller Strukturwandel gelingt: Aus Deutschlands einst größter CO₂-Schleuder soll ein Leuchtturmprojekt der Energiewende entstehen.

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Fazit

Das Jahr 2025 markiert einen Wendepunkt in der deutschen Wasserstoffwirtschaft. Der Rückblick zeigt eindrücklich, wie aus strategischen Planungen langsam greifbare Realität wurde. Die ersten Leitungskilometer sind in Betrieb, Großprojekte in Industrie und Produktion haben begonnen, regulatorische Rahmenbedingungen wurden geschaffen. Systematisch baut Deutschland die notwendige Infrastruktur auf, trotzdem bleiben die Herausforderungen weiterhin erheblich – von der Finanzierung über die Geschwindigkeit des Hochlaufs bis zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Doch die Grundlagen sind nun gelegt, um Wasserstoff als zentralen Baustein der Energiewende zu etablieren, und die kommenden Jahre werden zeigen, ob der eingeschlagene Weg trägt.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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