Die Stadt Rüsselsheim am Main strebt eine führende Position als Wasserstoff-Standort im Rhein-Main-Gebiet an. Wie die Stadt am 2. September mitteilte, geht dies aus einer umfassenden Standortanalyse hervor. Diese wurde zuvor auf Initiative der Stadt mit Unterstützung des hessischen Wirtschaftsministeriums und der LEA LandesEnergieAgentur Hessen erstellt.
„Die Standort-Analyse bestätigt, dass wir mit Rüsselsheim am Main einen idealen Standort für die künftige, wachsende Wasserstoffwirtschaft im Rhein-Main-Gebiet haben“, erklärte Oberbürgermeister Patrick Burghardt laut der Pressemeldung. Die bereits 2024 gegründete Wasserstoff-Task Force solle nun die nächsten Schritte der Wasserstoff-Strategie ableiten. Ein erstes Etappenziel ist die Etablierung eines Wasserstoff-Kompetenzzentrums.
Drei Top-Standorte für Elektrolyse identifiziert
Die Studie bewertete acht potenzielle Flächen anhand von Kriterien wie Grundstücksgröße, Infrastruktur und Genehmigungsfähigkeit. Die Bewertungsspanne lag zwischen 1,7 und 2,6 Punkten bei einem maximalen Scoring von 3,0 Punkten.
Als aussichtsreichste Standorte erwiesen sich „Mainzer Straße Nord“ (44,8 ha), „Gewerbepark West“ (14,1 ha) und „Mainzer Straße Süd“ (19,7 ha). Diese Flächen punkten durch ihre derzeitige Größe, die bestehende gewerbliche Ausweisung und eine gute infrastrukturelle Anbindung, so die Studie.
„Die Analyse zeigt klar auf, dass die Standortvorteile von Rüsselsheim am Main für eine Wasserstoffwirtschaft enorm sind“, fasste Dr. Karsten McGovern, Geschäftsführer der LEA LandesEnergieAgentur Hessen, zusammen. Spätestens mit dem Ausbau des deutschlandweiten Wasserstoffkernnetzes ab 2032 sei mit einem Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft zu rechnen.

Mögliche H2-Infrastruktur in Rüsselsheim am Main (© LEA)
Regionaler Bedarf von über 360.000 Tonnen H2 bis 2045
Die Studie prognostiziert für 2045 im Hessen-Szenario einen gesamten Wasserstoffbedarf von rund 30,2 TWh. Der größte Anteil entfällt mit etwa 11,2 TWh (37 Prozent) auf den Industriesektor, gefolgt vom Verkehrssektor mit rund 7,5 TWh (25 Prozent).
Der Wasserstoffbedarf der an Rüsselsheim angrenzenden Landkreise und Städte summiert sich laut Analyse auf bis zu 12 TWh jährlich bis 2045. Vereinfacht auf den Brennwert umgerechnet entspricht dies einem Bedarf von über 360.000 Tonnen H2 pro Jahr.
„Ohne Wasserstoff wird es nicht gehen – er ist der Schlüssel zur CO2-Reduktion und um Strom speicher- und transportfähig zu machen“, betonte Prof. Dr. Birgit Scheppat von der Hochschule RheinMain, Campus Rüsselsheim. Wasserstoffwirtschaft sei bereits heute ein Wachstumsfeld mit enormem Potenzial für Wertschöpfung und Beschäftigung.
Schrittweiser Einstieg mit bis zu 20 MW empfohlen
Die Studie empfiehlt einen schrittweisen Einstieg mit einer Elektrolyseanlage moderater Leistung von 5 bis 20 MW. Das Potenzial zum Leistungswachstum korreliere mit der Verfügbarkeit von erneuerbarem Überschussstrom. Besonders sinnvoll sei die Ansiedlung von Unternehmen der vorgelagerten Komponentenproduktion, zu denen Produzenten von Komponenten für Elektrolyseure gehören. Auch als Standort für eine Wasserstoff-Tankstelle für den Schwerlastverkehr könne Rüsselsheim punkten, so die Analyse.
Als größte Herausforderungen identifizieren die Studienautoren die Bereitstellung ausreichender elektrischer Leistung und den Zugang zu bestehender sowie zukünftiger Energieinfrastruktur. Zentral seien die frühzeitige Koordination mit Netzbetreibern zur Sicherung der Stromversorgung und die Entwicklung eines integrierten Energie- und Wärmekonzepts.
Claudia C. Gotz, Leiterin der Stabsstelle Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung der Stadt, bewertet die Ergebnisse positiv: „Der Wasserstoff-Backbone wird direkt an Rüsselsheim entlanglaufen und wir haben, wie die Studie zeigt, schon heute Flächen für eine Wasserstoffproduktion.“ Das in Kombination mit dem vorhandenen Unternehmens- und Automotive-Cluster sowie der Hochschule RheinMain mit dem Wasserstofflabor biete bereits heute eine sehr gute Ausgangslage für die Wasserstoff-Wirtschaft.
Die Potenzialanalyse zum Download







