Sachsen: Erstes H2-Speicherkraftwerk mit Eisen-Nugget-Technologie

Der Freistaat Sachsen unterstützt die Entwicklung eines Wasserstoff-Speicherkraftwerks in Freiberg mit knapp 4 Millionen Euro. Hier wollen Ambartec AG und TU Bergakademie Freiberg eine neuartige Technologie kommerzialisieren, die bislang nur in Demonstrationsanlagen zum Einsatz kam. Dabei wird Wasserstoff in Eisen-Nuggets eingelagert- laut den Betreibern eine günstige und sichere Alternative zu etablierten Speichermethoden.

von | 28.01.25

Versuchsanlage in Freiberg
© Ambartec AG
Eisen-Nuggets

In Freiberg entsteht das nach Angaben der Betreiber erste Wasserstoff-Speicherkraftwerk Europas, das auf Eisen-Nuggets basiert. Die Projektpartner erhalten dafür Fördermittel in Höhe von insgesamt 3,85 Millionen Euro aus dem Programm „FuE-Verbundprojektförderung 2021-2027“ des Freistaats Sachsen und der Europäischen Union. Das meldete das in Dresden ansässige Start-up Ambartec am Montag (27. Januar).

Das Gesamtvolumen des Projekts beläuft sich demnach auf etwa 6 Millionen Euro, wovon das 2020 gegründete Unternehmen 2 Millionen Euro aus eigenen Mittel beisteuert. Die Realisierung erfolgt auf dem Areal der Saxonia Standortentwicklungs- und -verwaltungsgesellschaft in Freiberg. Dort hat Ambartec seit Ende 2022 bereits erfolgreiche Tests mit Prototypen durchgeführt.

H2-Speicherung in Eisen-Nuggets

Die Technologie soll zwei zentrale Herausforderungen der Wasserstoffspeicherung adressieren: Kosteneffizienz und Sicherheit. Denn etablierte Methoden wie Druckgasspeicherung oder Verflüssigung sind entweder energieintensiv oder erfordern komplexe Infrastrukturen. Ambartecs Lösung basiert auf einem zweistufigen chemischen Prozess mit Eisen: Zunächst wird Wasserstoff nach der Elektrolyse in den Eisen-Nuggets eingespeichert, wobei er mit darin enthaltenem Eisenoxid reagiert. Dabei entsteht Wasserdampf als Nebenprodukt, der direkt in der Elektrolyseanlage weiterverwendet werden kann.

Um den gespeicherten Wasserstoff am Einsatzort wieder freizusetzen, leitet man Wasserdampf in den Speicher. Dieser Wasserdampf reagiert mit dem Eisen, wodurch der darin eingespeicherte Wasserstoff freigesetzt wird. Praxistests in der Demonstrationsanlage in Freiberg zeigten laut Ambartec, dass dieser Kreislauf sehr effizient funktioniere. In Kombination mit einer Hochtemperaturelektrolyse (SOEC) ermögliche er Wirkungsgrade von über 80 Prozent.

Die Technologie ist in einem 20-Fuß-Container implementiert, der eine Speicherkapazität für 800 kg Wasserstoff bietet. Dies entspricht einer Energiespeicherung von mindestens 72 Stunden – die  Kennzahl orientiert sich am Entwurf des Kraftwerkssicherheitsgesetzes. Wie Uwe Pahl, technischer Vorstand von Ambartec, betonte, lassen sich die Container zudem per LKW, Bahn oder Schiff transportieren. Das ermöglicht eingeplantene flexible Wasserstoffversorgung auch abseits des geplanten Wasserstoff-Kernnetzes.

Wissenschaftliche Begleitung

Das Institut für Energieverfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen der TU Bergakademie Freiberg wird den Pilotbetrieb wissenschaftlich begleiten. Prof. Martin Gräbner, Institutsdirektor für Energieverfahrenstechnik, bezeichnete das Projekt als wichtigen Beitrag zur Strategie „Elektrifizierung von Kohlenstoffkreislauf- und Wasserstofftechnologien“:

„Neben der wissenschaftlichen Begleitung des Pilotbetriebs steht vor allem die Modellierung der ablaufenden Prozesse im Vordergrund. Wir freuen uns, im Rahmen dieses Projektes einen Beitrag zu dieser zukunftsweisenden Technologie zu leisten.“

Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) betonte die strategische Bedeutung des Projekts für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft des Freistaates und ihre Transformation hin zu erneuerbaren Energien.

 

(Quelle: Ambartec/2025)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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