Dr. Gregor Neunzert, Leiter der Gasbeteiligungen der SWM, erklärte: Die Stadtwerke seien bislang vor allem im Wasserstofftransport aktiv. Beteiligungen an der Erzeugung würden derzeit geprüft. Das Projekt in Neumünster sei aufgrund seiner geografischen Lage und der angestrebten Partnerschaften mit regionalen Energieversorgern für diesen Einstieg geeignet.
Ein zentraler Meilenstein für den Wasserstoff-Hub ist die Anbindung an das Hochspannungsnetz. TenneT errichtet dafür das Umspannwerk, an das der Hub angeschlossen werden soll. Der Übertragungsnetzbetreiber arbeitet eng mit Schleswig-Holstein Netz (SH Netz) zusammen. Der Netzbetreiber aus Schleswig-Holstein soll die Leitungsinfrastruktur realisieren.
Der Hub setzt auf Elektrolyse, um Überschussstrom aus erneuerbaren Energien vor Ort in Wasserstoff umzuwandeln. Das Konzept adressiert ein strukturelles Problem in Schleswig-Holstein: Das Bundesland produziert mehr Strom aus Wind und Solar, als das Netz aufnehmen kann.
Abregelung kostet Millionen Euro
Allein im Jahr 2024 wurden rund 812 GWh Strom aus erneuerbaren Energien abgeregelt. Die Kosten der damit verbundenen Redispatch-Maßnahmen beliefen sich auf 78,4 Millionen Euro. Dezentrale Elektrolyseure wie der H2-Hub Neumünster können diesen Überschussstrom direkt nutzen, bevor Redispatch-Eingriffe notwendig werden. Das entlastet die Netze von TenneT und SH Netz und verwandelt ungenutzte Energie in grünen Wasserstoff für die regionale Industrie und Mobilität.
Infener-CEO Joel Vogl sieht in dem Projekt ein Modell für weitere Standorte in Deutschland: Die Zukunft der Wasserstoffwirtschaft liege nicht nur in Großprojekten an der Küste, sondern in dezentralen Hubs, die dort produzierten, wo Wasserstoff gebraucht werde. Mit dem Know-how der Stadtwerke will Infener dieses Konzept deutschlandweit replizieren.
Neumünster als Referenzprojekt für dezentrale Wasserstoffproduktion
Neben Neumünster plant das Schweizer Unternehmen weitere Wasserstoff-Hubs unter anderem in Gengenbach und Villingen-Schwenningen.
Neumünsters Oberbürgermeister Tobias Bergmann betonte die Bedeutung der Vereinbarung für den Standort. Ziel sei es, die Voraussetzungen für innovative Energieprojekte vor Ort zu schaffen. Neumünster biete dafür mit seiner Lage und bestehenden Infrastruktur eine geeignete Ausgangsbasis.
Über die konkreten Kapazitäten des H2-Hubs sowie den geplanten Zeitrahmen für Baubeginn und Inbetriebnahme haben die Partner noch keine Angaben gemacht.









