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Start-Up verwandelt Abfall in grünen Wasserstoff

Das 2020 gegründete Unternehmen Green Hydrogen Technology hat ein neuartiges Verfahren entwickelt, um aus Abfallstoffen wie Klärschlamm und Plastikmüll grünen Wasserstoff herzustellen. Nach Abschluss der Entwicklungsphase erprobt Green Hydrogen Technology die Technologie jetzt in der Praxis: Im November beginnt der Bau der entsprechenden Versuchsanlage. Ende 2022 soll der Versuchsbetrieb abgeschlossen sein. Ziel der Unternehmensgründer ist […]

von | 15.11.21

© Green Hydrogen Technology GmbH/Felix Kaestle
© Green Hydrogen Technology GmbH/Felix Kaestle
Team von Green Hydrogen Technology

Das 2020 gegründete Unternehmen Green Hydrogen Technology hat ein neuartiges Verfahren entwickelt, um aus Abfallstoffen wie Klärschlamm und Plastikmüll grünen Wasserstoff herzustellen. Nach Abschluss der Entwicklungsphase erprobt Green Hydrogen Technology die Technologie jetzt in der Praxis: Im November beginnt der Bau der entsprechenden Versuchsanlage. Ende 2022 soll der Versuchsbetrieb abgeschlossen sein. Ziel der Unternehmensgründer ist es, das Herstellungsverfahren nach der jetzt anstehenden Erprobungsphase an Kommunen und Industriebetriebe zu vermarkten.

Versuchsanlage entsteht in Leoben, Österreich

Das Verfahren umfasst zwei Stufen: In Stufe 1 des Prozesses werden Ausgangsstoffe, z. B. Klärschlamm, in Heißgas umgewandelt, in Stufe 2 wird aus diesem Gas und Plastikmüll gasförmiger Wasserstoff gewonnen. Stufe 2 kann auch eigenständig betreiben werden und an bestehende Biogas-Anlagen angedockt werden. Diese Stufe 2 wird jetzt in der Praxis erprobt: Nächster Schritt auf dem Weg zur Serienreife ist der Bau der Versuchsanlage im österreichischen Leoben. Das Gießen der Beton-Bodenplatte im November markiert den Baubeginn, im Mai 2022 sollen Bau- und Einrichtung der 12 m hohen Anlage mit einer Gesamtfläche von etwa 150 m² abgeschlossen sein. Im Juni 2022 soll die Versuchsanlage erstmals Wasserstoff aus Plastikmüll erzeugen. Errichtet wird die Anlage durch Spezialisten der Firma R&R Beth aus dem thüringischen Bad Lobenstein.

Sobald der TÜV die Zusammensetzung des gewonnenen Wasserstoffs zertifiziert haben wird, wird Green Hydrogen Technology in die Vermarktung von Stufe-2-Anlagen gehen und insbesondere Kommunen und Industrie ansprechen. Parallel wird dann auch die Praxis-Erprobung der Stufe 1 vorangetrieben.

Besonders interessant ist die Technologie für Kunden, die bereits eine Biogas-Anlage betreiben oder Zugang zu Biogas haben. Sie benötigen nur die Stufe 2 der Anlage. Statt des Heißgases aus Klärschlamm wird dann das Biogas als Ausgangsstoff verwendet. Die bisherigen Entwicklungskosten für das Verfahren liegen bei rund 3 Mio. €, die durch das Unternehmen selbst privat finanziert wurden. Das Geschäftsmodell von Green Hydrogen Technology sieht vor, dass das Unternehmen entweder Co-Betreiber der Anlagen wird oder Lizenzen zur Nutzung der patentierten Technologie an Firmen oder Gemeinden als alleinige Betreiber vergibt.

Die Wasserstoffgewinnung im Einzelnen

In Stufe 1 des neuen Verfahrens werden die Ausgangsstoffe mit Hilfe von reinem Sauerstoff sehr hohen Temperaturen ausgesetzt, sodass Heißgas entsteht. Aus diesem Gas wird dann in Stufe 2 gasförmiger Wasserstoff gewonnen, indem aufgeschmolzener Kunststoff in das Heißgas injiziert wird. Durch Zugabe von Wasser entsteht Wassergas, das wiederum durch einen zweistufigen Katalysatorvorgang Sauergas gewonnen wird, welches volumenmäßig schon ca. 40 % Wasserstoff enthält. In einem weiteren Schritt wird hochreiner Wasserstoff daraus gewonnen. Das CO2 kann aufgefangen und als technisches Gas abgeschieden weiterverwertet werden. Bei dem Prozess fallen – anders als bei der Verbrennung von Abfallstoffen – keine Giftstoffe wie Dioxine an. Anfallende Schwermetalle fallen in wiederverwertbarer Form an. Das gesamte Verfahren hat sich GHT durch Patente und Patentanmeldungen schützen lassen.

 

(Quelle: Green Hydrogen Technology/2021)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Das Managmentteam von Green Hydrogen Technology (v.l.n.r.): Alfred Edlinger, Jean Wiech, Daniel Buchholz, Nadia Romdhane, Benedict Barth, Wolfgang Baumann und Harald Mayer. (Foto: Green Hydrogen Technology GmbH/Felix Kaestle)

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