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Erste umfassende Tests: Wasserstoff ersetzt Erdgas in der Stahlbehandlung

Der schweizer Stahlkonzern Swiss Steel Group untersucht im EU-geförderten Projekt HYDREAMS den Ersatz von Erdgas durch Wasserstoff in der Stahlbehandlung. Nach Angaben der Gruppe zeigten erste Tests an 13 Stahlgüten dabei keine negativen Auswirkungen auf die Materialqualität. Drei industrielle Demonstratoren sollen bis 2026 die praktische Umsetzbarkeit der Wasserstoffnutzung beweisen.

von | 22.08.25

Induktionsanlage der Swiss Steel Group: Das Unternehmen erforscht Wasserstoff als Alternative zu Erdgas in thermischen Prozessen
© Swiss Steel Group
Swiss Steel Group

Die Swiss Steel Group testet im Rahmen des EU-Projekts HYDREAMS die Umstellung von Erdgas auf Wasserstoff in der thermischen Stahlbehandlung. Wie das Unternehmen am 15. August mitteilte, hat es bereits Tests an 13 verschiedenen Stahlgüten durchgeführt. Dabei habe man keine strukturellen Unterschiede oder Veränderungen der Stahlzusammensetzung feststellen können.

Das seit April 2023 von der Europäischen Union geförderte Projekt untersucht systematisch die Auswirkungen der Wasserstoffverbrennung auf verschiedene Stahlqualitäten. Dabei kommen zwei Ofentypen (Heiz- und Glühöfen) sowie zwei Brennerarten (Impuls- und Flammensysteme) zum Einsatz. Nach Angaben der Swiss Steel Group handelt es sich um den ersten umfassenden Versuch dieser Art in der Branche.

Die Aktivitäten fügen sich in die breiteren Dekarbonisierungsbemühungen der Unternehmensgruppe ein. So unterzeichnete die Tochtergesellschaft Ugitech bereits im April 2024 ein Memorandum of Understanding mit dem Wasserstoffproduzenten Lhyfe für den Bau einer Elektrolyseanlage am französischen Standort Ugine mit einer Kapazität von bis zu zwölf Tonnen pro Tag.

Technische Herausforderungen der Umstellung im Fokus

Das Projekt untersuchr systematisch die Unterschiede zwischen Erdgas und Wasserstoff, etwa bei Flammengeschwindigkeit, Strahlungsintensität oder der Zusammensetzung der Abgase. Diese Parameter können sich direkt auf die Stahlqualität und die Anlagentechnik auswirken.

„Der Ersatz von Erdgas durch Wasserstoff in der thermischen Bearbeitung ist noch nicht ausgereift und birgt potenzielle Risiken – unter anderem eine Erhöhung der NOx-Emissionen und mögliche negative Auswirkungen auf die Stahlqualität sowie die Lebensdauer der Feuerfestmaterialien in den Öfen“, so Laurent Sieye, Sustainability Manager bei Ugitech.

Drei Demonstratoren bis 2026

Der Schweizer Stahlrpoduzent will in den kommenden Jahren mehrere industrielle Versuche durchführen. Demnach seien drei Demonstratoren für unterschiedliche Heizprozesse und Produktarten (Blooms, Schmiedebarren und Coils) vorgesehen. Der erste Demonstrator (DEMO 3) nahm laut Pressemitteilung im März 2025 den Betrieb auf, erste Tests mit Blooms sollen noch im Sommer stattfinden. DEMO 1 und DEMO 2 werden im Jahr 2026 starten.

Das Projekt läuft in mehreren Phasen von Laborversuchen in Pilotöfen über CFD-Simulationen und Ofenmodellierungen bis hin zu industriellen Demonstrationstests. Parallel dazu bereitet Ugitech die kommerzielle Wasserstoff-Nutzung am Standort Ugine vor, wo jährlich rund 200.000 Tonnen Stahl produziert werden. Durch den geplanten Einsatz von grünem Wasserstoff sollen dort 16.000 Tonnen CO₂ pro Jahr eingespart werden.

Neben den technischen Erkenntnissen werden auch Sicherheitsbewertungen, Lebenszyklusanalysen und Kostenanalysen erstellt. Die Swiss Steel Group sieht in der Wasserstoff-Technologie eine Alternative zur elektrischen Beheizung, die bei bestimmten Anwendungen technische Probleme verursachen kann. Die Stahlindustrie trägt nach Angaben des Unternehmens mit rund acht Prozent zu den globalen CO₂-Emissionen bei.

 

(Quellen: Swiss Steel Group, Lhyfe/2025)

 

 

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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