Stegra errichtet derzeit im schwedischen Boden eine Stahlproduktionsanlage, die Stahl mit grünem Wasserstoff aus erneuerbarer Elektrizität herstellen soll. Bei der Stahlproduktion entsteht prozessbedingt ein Anteil an Nicht-Primär-Stahl. Dieses Material erfüllt nicht die höchsten Qualitätsstandards für bestimmte Anwendungen, ist aber für verschiedene Einsatzzwecke geeignet. Nicht-Primär-Stahl macht einen relevanten Teil des europäischen Stahlmarkts aus.
Thyssenkrupp Materials Processing Europe gehört zu Thyssenkrupp Materials Services und betreibt ein Netzwerk von Stahl- und Aluminium-Service-Centern. Das Unternehmen will den wasserstoffbasierten Stahl an Kunden in verschiedenen Branchen in Europa liefern. Zu den Abnehmergruppen zählen Automobilzulieferer, Bauunternehmen und Erstausrüster.
Stephan Flapper, Head of Commercial bei Stegra, bezeichnet einen Partner für Nicht-Primär-Stahl als wichtig für den Hochlauf des Stahlwerks. Man sehe dies als Beginn einer langfristigen Partnerschaft mit Thyssenkrupp. Gemeinsam könne man die Nachfrage nach Stahlprodukten aus der Wasserstoff-Route verstärken.
Umweltzertifikate gehen an andere Abnehmer
Heather Wijdekop, CEO der Processing-Geschäftseinheit bei Thyssenkrupp Materials Services, verweist auf die Kapazitäten des Konzerns. Thyssenkrupp will im Rahmen des mehrjährigen Liefervertrags einen hohen sechsstelligen Tonnenbereich des wasserstoffbasierten Stahls abnehmen. Das Unternehmen verfüge über den Kundenstamm, die Logistikfähigkeiten und das Verarbeitungsnetzwerk für diese Mengen. Gleichzeitig unterstütze man den schwedischen Stahlhersteller beim Hochlauf der Anlagen in Boden und bei der Dekarbonisierung der Stahlindustrie.
Der vom deutschen Konzern bezogene Nicht-Primär-Stahl gilt nicht als CO₂-reduziert. Stegra verkauft die Umweltattribute als Environmental Attribute Certificates (EACs) an andere Kunden im Primär-Stahlmarkt.
Das schwedische Unternehmen hatte im September 2025 sein erstes Abkommen für Umweltzertifikate bekanntgegeben. Vereinbarungen für Nicht-Primär-Stahl sind für die Entwicklung des Markts für Umweltzertifikate im Stahlbereich relevant. Um Doppelzählungen bei den Emissionen zu vermeiden, verpflichtet sich der Käufer des physischen Stahls, keine Klimaschutz-Aussagen zu treffen.
Grüner Stahl ab 2027
Ab diesem Jahr sollen die ersten Stahlproduktionslinien in Boden in Betrieb genommen werden. Zunächst soll die Stahlherstellung mit recyceltem Stahlschrott beginnen. 2027 will Stegra dann die Eisen- und Stahlherstellung auf Basis von grünem Wasserstoff hochfahren. Bis 2028 strebt das Unternehmen einen stabilen Betrieb aller Anlagen für grünen Wasserstoff, grünes Eisen und grünen Stahl an.
Anfänglich sollen im Stahlwerk bis zu 2,5 Millionen Tonnen grüner Stahl pro Jahr erzeugt werden. In einer zweiten Phase soll die Kapazität des Werks dann bis 2030 auf jährlich bis zu 5 Millionen Tonnen anwachsen. Durch die Nutzung von Wasserstoff können bis zu 95 Prozent der CO2-Emissionen im Vergleich zu konventionellen Produktionsrouten eingespart werden, heißt es von Stegra.
Um das grüne Stahlwerk zu betreiben, wird auf dem Gelände eine 740-MW-Elektrolyseanlage errichtet. Der dafür benötigte Strom ist größtenteils durch langfristige Stromabnahmeverträge gesichert.
Projekt mit hoher deutscher Beteiligung
Mehrere deutsche Konzerne sind an dem Projekt des 2021 gegründeten Start-ups beteiligt. Die Elektrolyseure für die Wasserstoffproduktion liefert Thyssenkrupp Nucera, die Anlagen zur Direktreduktion stammen von der SMS Group.
Neben Thyssenkrupp Materials Processing Europe haben auch Mercedes-Benz, Porsche und die Kirchhoff Gruppe Abnahmevereinbarungen mit dem schwedischen Stahlhersteller geschlossen.









