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TÜV Rheinland und TÜV Nord als Wasserstoff-Zertifizierer anerkannt

Mit TÜV Rheinland und TÜV Nord haben zwei deutsche Prüfdienstleister die Anerkennung als Zertifizierungsstellen für erneuerbar produzierten Wasserstoff erhalten. Damit können die Unternehmen nun die Nachhaltigkeit von grünem Wasserstoff und anderen erneuerbaren Kraftstoffen nicht-biologischen Ursprungs (RFNBO) nach EU-Standards zertifizieren.

von | 25.06.25

Der TÜV Rheinland darf nun erneuerbaren Wasserstoff nach dem CertifHy-System als RFNBO zertifizieren
© Björn Wylezich - stock.adobe.com
TÜV Rheinland

TÜV Rheinland wurde für das CertifHy-EU-RFNBO-Programm anerkannt, wie das Prüfinstitut am Dienstag (24.06.) mitteilte. TÜV Nord meldete derweil die vorläufige Anerkennung des Umweltbundesamts für RFNBO-Zertifizierungen nach dem ISCC EU-Standard. Beide Standards gehören zu den drei Zertifizierungssystemen, die die EU-Kommission am 19. Dezember 2024 neben REDcert für RFNBO anerkannt hatte.

Allen Zertifizierungssystemen ist gemeinsam, dass sie eine lückenlose Rückverfolgbarkeit in der gesamten Lieferkette sowie transparente Regeln für die Massenbilanzierung ermöglichen sollen. Dies ist ein wichtiges Element für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft, da die Herkunft des Stroms für die Elektrolyse und die Treibhausgas-Bilanz der Produktion nachgewiesen werden müssen, damit Wasserstoff als erneuerbar deklariert werden kann.

Die TÜV-Gesellschaften dürfen nun Audits bei Unternehmen durchführen, die entsprechende Kraftstoff-Zertifizierungen anstreben. Die Prüfungen basieren auf der Europäischen Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II/III) und den Durchführungsverordnungen. Zusätzlich gelten internationale Normen wie ISO 17065 und ISO 14065.

Zertifizierung ermöglicht Subnetionen

Zertifizierte Kraftstoffe ermöglichen den Zugang zu EU-Marktprämien und Förderprogrammen sowie die Anerkennung von Treibhausgasminderungen. Mit den Zertifikaten können Produzenten also die Einhaltung von EU-Vorschriften nachweisen und ihre Produkte auf die Treibhausgas-Quote anrechnen lassen. Dies erleichtert zudem den grenzüberschreitenden Handel.

RFNBO entstehen durch grünen Wasserstoff aus der Elektrolyse von Wasser mit Strom aus erneuerbaren Quellen. Über Power-to-Liquid- oder Power-to-Gas-Verfahren lassen sich daraus synthetische Kraftstoffe wie E-Methan herstellen. RFNBO beanspruchen keine landwirtschaftlichen Flächen und konkurrieren nicht mit der Nahrungsmittelproduktion.

Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 einen Anteil von 42,4 Prozent des in Europa verbrauchten Wasserstoffs RFNBO-konform zu produzieren. Die Zertifizierungsmöglichkeiten gelten zunächst bis Ende 2029.

CertifHy

Das CertifHy-System ist seit 2014 auf Wasserstoff und E-Fuels spezialisiert. Neben dem neuen EU-RFNBO-Schema bietet es auch das etablierte Non-Governmental Certificate (NGC) Scheme für erneuerbaren (grünen) und CO₂-armen (blauen) Wasserstoff. Das CertifHy-EU-RFNBO-Programm stellt dabei hohe Transparenzanforderungen an Produktionsprozesse.

Voraussetzung für die Anerkennung des TÜV Rheinland war die erfolgreiche Qualifikationsprüfung durch den Programmbetreiber CertifHy. Dem vorausgegangen waren entsprechende Schulungen durch Auditoren an der CertifHy Academy. CertifHy vergibt auch eigenständige RFNBO-Zertifizierungen: Im Mai erhielt Hy2gen als erstes deutsches Unternehmen ein RFNBO-Zertifikat für E-Methan aus grünem Wasserstoff durch die Zertifizierungsstelle.

ISCC

ISCC wird bereits seit Jahrzehnten bei der Biokraftstoff-Zertifizierung eingesetzt und wurde 2012 mit ISCC PLUS auf weitere Branchen ausgeweitet. Die Besonderheit des Systems liegt in seiner globalen Reichweite sowie der Möglichkeit, CO₂-Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu dokumentieren.

Das ISCC EU-System zertifiziert Brenn- und Kraftstoffe aus Biomasse sowie strombasierte Kraftstoffe. In Deutschland ist für diese Tätigkeit eine Anerkennung durch das Umweltbundesamt erforderlich.

 

(Quellen: TÜV Nord, TÜV Rheinland/2025)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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