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Wasserstoff trifft CO2: 350 Millionen Euro für E-Kerosin aus Brandenburg

Die Dekarbonisierung der Luftfahrt startet in Brandenburg: Das internationale Joint Venture Concrete Chemicals erhält 350 Millionen Euro für eine der ersten Power-to-Liquid (PtL) Anlagen der EU. Ab 2028 soll sie in Rüdersdorf bei Berlin synthetisches Kerosin (E-SAF) aus grünem Wasserstoff und CO2 aus einem Zementwerk produzieren. Die EU-Kommission genehmigte am Dienstag (17.12.) die entsprechende Beihilfe der Bundesregierung.

von | 20.12.24

Das Cemex-Zementwerk in Rüdersdorf wird CO2 für die geplante E-SAF-Anlage liefern
© Thomas Weber/Cemex
Concrete Chemicals

In Rüdersdorf will das deutsch-internationale Konsortium Concrete Chemicals ab 2028 jährlich rund 30.000 Tonnen synthetisches Kerosin (E-SAF) produzieren. Dafür wird zunächst mittels Elektrolyse grüner Wasserstoff hergestellt. In einem mehrstufigen Verfahren kombinieren die Unternehmen ihn anschließend mit biogenem CO2 aus dem benachbarten Cemex-Zementwerk. Die Prozesskette umfasst dabei neben der Elektrolyse eine Wasser-Gas-Shift-Anlage sowie Fischer-Tropsch-Reaktoren.

Nach Angaben der EU-Kommission wird der so erzeugte Kraftstoff RFNBO-konform sein und über den gesamten Lebenszyklus 90 % weniger Emissionen verursachen als fossiles Kerosin. Als Nebenprodukt soll  die Anlage zudem bis zu 6.500 Tonnen erneuerbares Naphtha (PtL-Naphtha) pro Jahr herstellen, das als Rohstoff für verschiedene Kunststoffprodukte dienen kann.

Concrete Chemicals ist ein Joint Venture des mexikanischen Zementkonzerns Cemex, des deutschen Projektentwicklers Enertrag und des südafrikanischen Energieunternehmens Sasol. Jedes Unternehmen will einen spezifischen Beitrag zum Projekt leisten: Cemex stellt über eine neuartige Technologie zur CO2-Abscheidung (CCS) das Kohlenstoffdioxid bereit, während Enertrag die Erzeugung des grünen Wasserstoffs übernimmt. Sasol stellt wiederum Anlagen zur Fischer-Tropsch-Synthese zur Verfügung, die das gängigste Verfahren zur Produktion von E-Fuels darstellt.

EU knüpft Förderung für Concrete Chemicals an Bedingungen

Die Kommission hat die deutsche Förderung an mehrere Bedingungen geknüpft, darunter einen Rückforderungsmechanismus. Nach dem Modell der Klimaschutzverträge verpflichtet er Concrete Chemicals dazu, einen Teil der Beihilfe zurückzuzahlen, wenn das Projekt Übergewinne erwirtschaftet. Das Unternehmen muss außerdem das während des Projekts gewonnene technische Wissen weitergeben, um ähnliche Initiativen in Europa zu beschleunigen.

„Dies wird zur Dekarbonisierung des Luftfahrtsektors beitragen und die Nachfrage nach erneuerbarem Wasserstoff stimulieren, im Einklang mit dem EU-Ziel der Klimaneutralität bis 2050. Gleichzeitig stellt die Maßnahme sicher, dass der Wettbewerb nicht verzerrt wird“, erklärte EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera.

Die Genehmigung markiert einen Schritt bei der Umsetzung des im Oktober 2023 verabschiedeten ReFuelEU-Aviation-Programms. Als Teil des Green Deal zielt sie darauf ab, den Anteil nachhaltiger Flugkraftstoffe in der EU zu steigern. Darüber hinaus ist das grüne Licht aus Brüssel ein wichtiges Signal für den brandenburgischen Projektierer Enertrag: Das Vorhaben in Rüdersdorf gehört zu dessen Projekt-Pipeline „Elektrolysekorridor Ostdeutschland“, der wiederum zur ostdeutschen doing hydrogen Initiative und damit IPCEI-Status genießt.

 

(Quelle: EU-Kommission, Cemex, Sasol, Enertrag/2024)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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