Generic filters
Exact matches only
FS Logoi

Wasserstoffspeicher: Investitionsentscheidungen müssen bis 2027 fallen

Laut einer Untersuchung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) braucht Deutschland bis 2045 Wasserstoffspeicher für einen jährlichen Bedarf von 80 TWh. Die Umwidmung von Kavernen dauert vier bis sechs Jahre, der Neubau zehn bis zwölf Jahre. Deshalb muss die Politik den Weg für Investitionssicherheit jetzt ebnen, sodass Investitionsentscheidungen für Wasserstoffspeicher bis 2026 oder 2027 getroffen werden. Das hat der HydroHub der TÜV Nord Group in einer aktuellen Veröffentlichung gefordert.

von | 28.10.25

Wasserstoff kann beispielsweise in Salzkavernen gespeichert werden
© TÜV NORD GROUP
Wasserstoffspeicher: Investitionsentscheidungen müssen bis 2027 fallen, Salzkavernen

Deutschland benötigt unterirdische Speicher für Wasserstoff, um die Volatilität der erneuerbaren Energien und damit auch der Wasserstoffproduktion auszugleichen. Da die energieintensiven Branchen auf eine verlässliche Versorgung angewiesen sind. Der Ausbau der Pipeline-Infrastruktur und der Wasserstoffspeicher entscheidet über den Erfolg der Wasserstoffwirtschaft.

„Unterirdische Speichersysteme können nicht von heute auf morgen realisiert werden„, sagte Alexander Holle, Leiter des HydroHubs bei der TÜV Nord Group. Die Politik müsse den Weg für Investitionssicherheit ebnen. Speicherbetreiber sollten in Pilotprojekten die technischen Herausforderungen angehen.

Wasserstoff wird in Industriesektoren eingesetzt, die sich nicht oder nicht wirtschaftlich elektrifizieren lassen. „Auch wenn der Markthochlauf aktuell nicht so schnell vorangeht wie erhofft, ist Wasserstoff für eine Reihe von Sektoren die beste Option„, erklärte Holle. Die Bundesregierung hat Entwürfe für das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz und das Geothermie-Beschleunigungsgesetz vorgelegt. Die Voraussetzungen für den Ausbau von Wasserstoffspeichern müssen jetzt geschaffen werden.

Vier Funktionen im Energiesystem

Untergrundspeicher erfüllen mehrere Aufgaben im Energiesystem. Als Fluktuationsspeicher gleichen sie kurzfristige Schwankungen im Stromnetz aus. Der gespeicherte Wasserstoff wird dafür rückverstromt. Als saisonale Energiespeicher speichern sie über den Sommer Energie für die Dunkelflaute und den Winter ein.

Die Speicher dienen als strategische Energieträgerreserve. Sie sichern die Versorgung gegen Unsicherheiten bei Energieimporten und Preisschwankungen ab. Als Puffer stellen sie die gleichmäßige Auslastung von Infrastrukturen wie Importterminals oder Leitungen sicher.

Kurzfristige Schwankungen im Netz können durch Druckveränderungen im Pipelinesystem oder Batteriespeicher ausgeglichen werden. Alle anderen Anwendungen erfordern langfristige und großvolumige Speicher. Wasserstoffspeicher unter der Erde speichern große Energiemengen über lange Zeiträume. Die Energie wird für Strom- und Wärmeerzeugung sowie für industrielle Prozesse eingesetzt.

Salzkavernen in Norddeutschland

Salzkavernen eignen sich technisch für die Wasserstoffspeicherung. Sie sind chemisch reaktionsträge und geologisch langzeitstabil. Bestehende Kavernen können umgerüstet werden. Neue Kavernen können entstehen.

„In Norddeutschland befinden sich sehr große unterirdische Salzvorkommen, ein Alleinstellungsmerkmal in Europa“, sagte Holle. Damit ist die Region prädestiniert für die Errichtung von Wasserstoffspeichern.

Investitionsentscheidungen bis 2027 nötig

Die nötige Speicherkapazität richtet sich nach dem Wasserstoffverbrauch von Großverbrauchern wie Energieerzeugung und Industrie. Die Langfristszenarien des BMWK prognostizieren einen sprunghaften Anstieg. Bis 2035 wird ein Bedarf von 17 TWh jährlich erwartet. Bis 2040 steigt der Bedarf auf 55 TWh. Grund ist die Einführung von Wasserstofftechnologien in Kraftwerken und Großindustrien. Bis 2045 wird ein Bedarf von bis zu 80 TWh pro Jahr angenommen.

Aktuell zeige die Marktlage eine große Unsicherheit. „Für viele großvolumige Speicherprojekte gibt es deshalb noch keine finale Investitionsentscheidung„, sagte Holle.

Die Umwidmung bestehender Kavernen dauert vier bis sechs Jahre. Der Neubau dauert zehn bis zwölf Jahre. Bei der Umwidmung sind die zentrale Herausforderung das Anpassen der obertägigen Anlagenteile an Wasserstoff sowie die Genehmigungsprozesse. Beim Neubau verlängert sich der Zeitraum durch die notwendige Solung der Kavernen im Salzstock. Eingeleitetes Wasser löst das Salz, so dass ein Hohlraum entsteht. Um die nötigen Kapazitäten zu erreichen, müssen die Investitionsentscheidungen 2026 oder 2027 getroffen werden.

Technische Fragen in Pilotprojekten

Viele technische Fragen sind noch ungelöst. Dazu gehören Gasreinigung, Materialeignung und Bruchfestigkeit unter steigendem Druck. Pilot- und Demonstrationsprojekte gehen die offenen technischen Fragestellungen an.

Die Standardisierung und Normung von Materialien und Verfahren aus diesen Projekten können den Bau von Speichern vereinfachen. Die Unterstützung dieser Projekte ist für den Hochlauf notwendig.

„Die Bundesregierung muss jetzt klare Rahmenbedingungen für den Ausbau der Speicherinfrastruktur schaffen und ein Zielbild für deren Rolle im europäischen Energiesystem formulieren“, forderte Holle. Zudem sollten Investitionsanreize für die Umrüstung und den Neubau von Kavernen geschaffen werden.

 

(Quelle: TÜV NORD GROUP/2025)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

H2-Projekte in Ihrer Region

Mehr als 300 Wasserstoff-Projekte in Deutschland und Europa

Hier geht's zur interaktiven Karte

Auswahl von Armaturen für die Produktion von blauem Wasserstoff
Auswahl von Armaturen für die Produktion von blauem Wasserstoff

Die Wasserstoffwirtschaft wächst rasant – doch wie lässt sich der steigende Bedarf nachhaltig decken? Jochen Wassmann, Manager EPC/OEM Final Control bei Emerson, vergleicht die zwei zentralen Produktionsverfahren für blauen Wasserstoff – SMR und ATR – und zeigt, welche Anforderungen diese an Armaturen, Regler und Überdruckventile stellen.

mehr lesen
Netzentwicklungsplan Gas und Wasserstoff 2025: Erster Entwurf veröffentlicht
Netzentwicklungsplan Gas und Wasserstoff 2025: Erster Entwurf veröffentlicht

Der erste Entwurf des Netzentwicklungsplans (NEP) Gas und Wasserstoff 2025 aus dem März 2026 sieht unter anderem den Ausbau von mehreren Tausend Kilometern H2-Leitung sowie Investitionen in Milliardenhöhe vor. Derzeit findet bis Ende März 2026 die Konsultation des Entwurfs statt. Mitte des Jahres 2026 soll ein zweiter, überarbeiteter NEP-Entwurf folgen.

mehr lesen
Wasserstoffleitung von Hamburg nach Niedersachsen genehmigt
Wasserstoffleitung von Hamburg nach Niedersachsen genehmigt

Im Jahr 2027 ist die Inbetriebnahme einer neuen H2-Pipeline vorgesehen. Über die Leitung soll erneuerbarer Wasserstoff aus Hamburg-Moorburg nach Niedersachsen transportiert werden. Ende Februar 2026 erfolgte die Genehmigung der Erweiterung und Inbetriebsetzung der Pipeline.

mehr lesen

H2 Talk

„Unsere Kunden sind Vorreiter“
„Wasserstoff ist im Grunde Erdgas ohne Kohlenstoff und entsprechend vielseitig einsetzbar“
„NRW bringt beste Voraussetzungen als Wasserstoff-Knotenpunkt mit“

Publikationen

Gasqualitäten im veränderten Energiemarkt

Gasqualitäten im veränderten Energiemarkt

Erscheinungsjahr: 2020

Das Werk umfasst eine Sammlung praxisorientierter Fachbeiträge aus den Zeitschriften gwf Gas + Energie, PROZESSWÄRME und „gwi – gaswärme international“, die den Lesern einen Überblick über die Neuerungen, die sich für Gasanwender und -versorger aus ...

Zum Produkt

Erneuerbarer Wasserstoff mit Solar-Wind-Hybridkraftwerken

Erneuerbarer Wasserstoff mit Solar-Wind-Hybridkraftwerken

Autor: Raphael Niepelt, Rolf Brendel

Grüner Wasserstoff ist ein Schlüsselelement für die Transformation und Defossilierung des Energiesystems. Mit der Nationalen Wasserstoffstrategie hat sich die Politik klar zu grünem Wasserstoff bekannt, wobei der Bedarf vor allem über Importe aus ...

Zum Produkt

Wasserstoffeinspeicherung mit  bestehenden Erdgasverdichtern

Wasserstoffeinspeicherung mit bestehenden Erdgasverdichtern

Autor: Johann Lenz und Patrick Tetenbor

Zur Verdichtung von Wasserstoff mit bestehenden Erdgasverdichtern wird sich aufgrund verschiedener Parameter eine neue Ära der Kolbenverdichter entwickeln. Um aus schwingungstechnischer Sicht weiterhin einen sicheren Betrieb zu gewährleisten, sind ...

Zum Produkt