Westfalen AG baut ersten Elektrolyseur für ArcelorMittal Frankreich

Die Westfalen-Gruppe baut ihren ersten Elektrolyseur. Die Anlage soll im Nordosten Frankreichs entstehen und ab Januar 2026 ein Werk des Stahlproduzenten ArcelorMittal versorgen. In Deutschland will Westfalen derzeit noch nicht H2-technisch aktiv werden, da die Rahmenbedingungen hierzulande zu schlecht seien. 

von | 03.07.24

Das ArcelorMittal-Werk in Florange
© AimelaimeAimelaime in der Wikipedia auf Französisch, Public domain, via Wikimedia Commons
Westfalen

3. Juli 2024 | Die Westfalen-Gruppe baut ihren ersten Elektrolyseur. Die Anlage soll im Nordosten Frankreichs entstehen und ab Januar 2026 ein Werk des Stahlproduzenten ArcelorMittal versorgen. In Deutschland will Westfalen derzeit noch nicht H2-technisch aktiv werden, da die Rahmenbedingungen hierzulande zu schlecht seien.

Bereits seit 2010 versorgt die französische Tochtergesellschaft Westfalen France das Stahlwerk von ArcelorMittal in Florange mit fossilem Wasserstoff. Wie der Industriegase-Produzent am Mittwoch (3. Juli) mitteilte, soll dieser ab 2026 durch grünen Wasserstoff ersetzt werden, den ein neuer Elektrolyseur auf dem Werksgelände erzeugt. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung unterzeichneten Matthieu Jehl, CEO von ArcelorMittal France, und Westfalen-CEO Thomas Perkmann in Florange. Der dazugehörige Liefervertrag laufe „bis in die 2040er-Jahre“.

„Die Vereinbarung mit ArcelorMittal ist ein großer Erfolg für unsere Unternehmensgruppe“, betonte Thomas Perkmann anlässlich der Unterzeichnung. „Das Projekt wird nicht nur unsere gute Partnerschaft mit ArcelorMittal – einem unserer größten französischen Kunden – fördern. Die Umsetzung wird uns auch weitere Türen im Wasserstoff-Markt öffnen und unsere Position in der Industrie, nicht nur in Frankreich, weiter stärken.“

Westfalen

Freuen sich auf die langfristige Wasserstoff-Kooperation: Westfalen-CEO Dr. Thomas Perkmann (links) und Matthieu Jehl, CEO ArcelorMittal France (© Westfalen AG)

Insgesamt will Westfalen einen zweistelligen Millionenbetrag in das Projekt investieren. Neben der Wasserstoffproduktion aus erneuerbarer Energie beabsichtige das Unternehmen „in der Nähe“ den Bau einer Wasserstoff-Abfüllstation für die Trailer- und Zylinderabfüllung. „Die Kapazität des Elektrolyseurs ist so angelegt, dass neben der Versorgung des Stahlwerks auch weitere Mengen für den Markt bereitstehen“, so Westfalen France Geschäftsführer Benjamin Bugeat. Frankreich ist derzeit ein zentraler Auslandsmarkt für das Unternehmen aus Münster.

Rahmenbedingungen verzögern Wasserstoff-Hochlauf in Deutschland

In Deutschland will Westfalen vorerst nicht in Wasserstoff investieren. Beim Jahrespressegespräch betonte der Vorstandsvorsitzende Perkmann in der vergangenen Woche, dass die Rahmenbedingungen hierzulande noch zu „volatil“ seien. So verzögerten sich im deutschen Kernmarkt viele Pläne für den Wasserstoff-Hochlauf, auf den das Unternehmen gesetzt hatte, oder ließen sich überhaupt nicht mehr so umsetzen wie geplant. 

Das hänge auch mit dem Urteil des Bundesverfassungsgericht zum Klima- und Transformationsfonds KTF zusammen. „Zusagen zu Förderbescheiden galten einfach von heute auf morgen nicht mehr. So kann man als Unternehmen schwer planen“, betonte Perkmann. Europäischen Nachbarländer würden ihre Bemühungen für den Hochlauf der Wasserstoff-Wirtschaft hingegen „deutlich beschleunigen“:

„Dem können wir uns auch als europäisch ausgerichtetes Unternehmen schwer entziehen Deutschland muss aufpassen, dass es seinen Technologievorsprung und seine Wettbewerbsfähigkeit beim Wasserstoff nicht einbüßt.“

Wasserstofftankstellen-Netz mit RWE in Planung

Mittelständische Unternehmen – Hauptkunden der Unternehmensgruppe insbesondere im Industriegase-Geschäft – könnten laut Perkmann ein weiterer wichtiger Treiber des Wasserstoffhochlaufs sein. Dies würde von der Politik unterschätzt. Der eingeschränkte finanzielle Rahmen der Politik treffe ganz klar auch das wirtschaftliche Rückgrat der deutschen Wirtschaft:

„Wir sehen, dass viele unserer mittelständischen Kunden an Wasserstoff interessiert sind, entweder als Produkt oder als Prozessenergie. Doch die hohen Kosten gegenüber den herkömmlichen Energieträgern rechnen sich für viele Anwendungen gerade für kleinere Unternehmen momentan noch nicht. Daher braucht es sicherlich irgendeine Form von staatlicher Unterstützung, um den Mittelstand auf dem Weg in die grüne Transformation zu unterstützen.“

Dass die Industrie für den Wasserstoff-Hochlauf bereitsteht, zeigt Westfalen in einer Kooperation mit RWE. Darin planen die beiden Unternehmen unter dem Namen two4H2 den Aufbau eines H2-Tankstellennetzes in Niedersachsen und NRW. Auch ein Joint Venture haben die Unternehmen gegründet. Perkmann: „Damit machen wir ja deutlich, dass wir als Westfalen in Deutschland eigentlich gerne noch aktiver sein würden.“

 

(Quelle: Westfalen/2024)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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