„Basis für erfolgreiche Energiewende“: TU Bergakademie Freiberg untersucht H2 in der Thermoprozesstechnik

Ein Forschungsteam der TU Freiberg hat seine Ergebnisse zum Einsatz von Wasserstoff in Industrieöfen vorgestellt. Für viele Industriezweige gilt: Brenner, die statt Erdgas Wasserstoff verwenden können die Basis für eine erfolgreiche Energiewende bilden.

von | 01.12.23

Zahlreiche Wärmekraftwerke könnten in Zukunft mit Wasserstoff betrieben werden - Verfügbarkeit vorausgesetzt
© scharfsinn86 - stock.adobe.com
Wasserstoff

01. Dezember 2023 । Drei Jahre Forschung flossen in ein Projekt der TU Bergakademie Freiberg zum Einsatz von Wasserstoff in Industrieöfen und Feuerungen. Die Ergebnisse stellte das Team mit seinen Partnern Ende November beim Abschluss des Projekts in Freiberg vor. Die gute Nachricht: Alle bestehenden Industrieöfen können mit kleinen Anpassungen sicher mit Wasserstoff betrieben werden. Demnach könnten wasserstofftaugliche Brenner in vielen Industriezweigen die „Basis für eine erfolgreiche Energiewende“ bilden.

Im Rahmen des vom BMWK mit 1,5 Mio. € geförderten Projektes untersuchte ein Team aus Industrie und Wissenschaft die Leitplanken für den Einsatz von Wasserstoff in Industrieöfen. Forschungsschwerpunkte waren die Konstruktion der Brenner als Kernelemente der Öfen, die Steuerung und Regelung der Brenner-Flamme sowie die Stabilität von Werkstoffen für die Wärmedämmung und Ausrüstung neuer Wasserstoff-Öfen.

Drei Grundtypen von Industriebrennern konnten in mehreren Leistungsklassen vermessen und umgerüstet werden. Projektleiter Prof. Hartmut Krause fasst zusammen:

„Mit dem Projekt konnten wir zeigen, dass sich verschiedene Grundtypen industrieller Feuerungssysteme von Erdgas auf Wasserstoff umstellen lassen. Die Aufwendungen zur Umstellung sind in einem überschaubaren Rahmen. In einigen Fragestellungen ergaben sich überraschend positive Effekte für die Ressourceneffizienz in der Thermoprozesstechnik mit dem Energieträger Wasserstoff.“

Industrieöfen: Ultra-niedrige Emissionen mit Wasserstoff-Brennern

Im Technikum nahm das Team zuerst die Wasserstoffverbrennung unter die Lupe:

„Denn wie genau das Gas in einem Industriebrenner umgesetzt wird, hat Auswirkungen auf die Schadstoffbildung und damit die Emissionen der Produktionsprozesse“, so Dr. Sven Eckart von der Professur für Gas- und Wärmetechnische Anlagen der TU Freiberg.

Dennoch werden die Stickoxidemissionen auf einem geringen Level gehalten. Trotz höherer Flammentemperaturen bei der Wasserstoffverbrennung, die die Ursache für die Stickoxidbildung sind, konnten geringere Emissionen als bei Erdgas erreicht werden. Damit gibt das Forschungsprojekt Brenner-Herstellern Gestaltungsempfehlungen für effiziente und emissionsarme Geräte.

Forschende beim Projekttreffen Wasserstoff Thermoprozesstechnik © TUBAF

Forschende beim Projekttreffen Wasserstoff Thermoprozesstechnik © TUBAF

Effiziente Verbrennung bei schwankendem H2-Anteil

Für industrielle Anwendungen müssen auch die Steuerungssysteme für die Verbrennung von schwankenden Wasserstoff-Anteilen angepasst werden. Dazu entwickelten die Forschenden am DBI-Institut Freiberg zwei Modelle zur Regelung des Gas-Luft-Gemisches und erprobten sie an Demonstratoren.

Marcus Wiersig vom DBI betonte, dass man mit den neuen Regelungsprinzipien trotz schwankender Wasserstoffanteile eine hocheffiziente Verbrennung einstellen könne.

Wie werden Öfen H2-ready?

Wasserstoff könne jedoch nur in Industrieöfen eingesetzt werden, wenn er deren Stabilität und Lebensdauer nicht einschränke. Wie Feuerfestmaterialien, Stähle, Keramiken und neue Werkstoffkombinationen auf Wasserstoff und seine Abgase reagieren, untersuchten die Forschenden daher in einem weiteren Teilprojekt.

Die daraus hervorgegangene Bewertungsmatrix biete Anlagenbetreibern und Herstellern ein einfaches Konzept für den Einsatz von Hochtemperaturwerkstoffen in Wasserstoff -betriebenen Industrieöfen. Das Team um Chris Fritsche an der Professur für Gas- und Wärmetechnische Anlagen habe für einige wichtige Werkstoffe zudem deutlich bessere Schutzmechanismen als bei Erdgasbetrieb nachgewiesen.

Folgende Forschungseinrichtungen waren an dem Projekt beteiligt: TU Bergakademie Freiberg, Professur für Gas- und Wärmetechnische Anlagen (Koordination), DBI – Gastechnologisches Institut gGmbH Freiberg, RWTH Aachen, Institut für Industrieofenbau und Wärmetechnik, Gas- und Wärme-Institut Essen e.V., Universität Duisburg-Essen, Institut für Verbrennung und Gasdynamik, Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien.

(Quelle: TUBAF/2023)

 

 

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

H2-Projekte in Ihrer Region

Mehr als 300 Wasserstoff-Projekte in Deutschland und Europa

Hier geht's zur interaktiven Karte

Siemens digitalisiert 100-MW-Wasserstoffanlage in Portugal
Siemens digitalisiert 100-MW-Wasserstoffanlage in Portugal

Der Technologiekonzern Siemens AG digitalisiert die geplante 100-MW-Anlage „GalpH2Park“ des Energieunternehmens Galp Energia SGPS S.A. im portugiesischen Sines. Mithilfe eines digitalen Prozesszwillings soll die Hydrogen Performance Suite (HPS) die Produktionsplanung und den Energieeinkauf optimieren. Laut Siemens sind dadurch Energieeinsparungen von bis zu 15 Prozent möglich. Nach eigenen Angaben wird die Anlage eine der größten Anlagen für erneuerbaren Wasserstoff in Europa sein.

mehr lesen
Tesa bezieht Wasserstoff von EWE aus Emden
Tesa bezieht Wasserstoff von EWE aus Emden

Der Energieversorger EWE AG und der Klebeband-Hersteller Tesa SE haben Anfang Oktober einen Liefervertrag über jährlich 500 Tonnen erneuerbaren Wasserstoff unterzeichnet. Ab 2028 soll der H2 aus Emden das Tesa Werk Hamburg versorgen und die CO2-Emissionen dort um rund 6.000 Tonnen pro Jahr senken. Eingesetzt werden soll der Wasserstoff im Werk für die Dampferzeugung.

mehr lesen
„Die technische Machbarkeit ist nachgewiesen, die größte Herausforderung liegt im Markthochlauf“
„Die technische Machbarkeit ist nachgewiesen, die größte Herausforderung liegt im Markthochlauf“

Vom Abgassystem zur Brennstoffzelle: Purem by Eberspächer bringt seine Erfahrung aus der Akustik- und Abgasreinigungstechnik gezielt in den Wasserstoffbereich ein. Im Interview erklärt Patrick Schaller, Product Director für Wasserstoffanwendungen und -komponenten, wie der De-Hydrator die Dampfbildung an Brennstoffzellenfahrzeugen reduziert und wie der Hydrogen Recirculation Blower (HRB) durch Rezirkulation von Wasserstoff die Effizienz steigert. Beide Technologien haben bereits erste Praxistests bestanden. Ende Oktober präsentiert Purem by Eberspächer beide Lösungen live auf der Hydrogen Technology World Expo in Hamburg.

mehr lesen

H2 Talk

„Die technische Machbarkeit ist nachgewiesen, die größte Herausforderung liegt im Markthochlauf“
„Wir wollen e-Fuels vom teuren Nischenprodukt zu einer wettbewerbsfähigen Lösung entwickeln“
„Der Mittelstand ist das Kraftwerk unserer Wirtschaft"

Publikationen