Generic filters
Exact matches only
FS Logoi

Durchbruch bei Schweißverfahren für Elektrolyseure

Dem Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) ist ein Durchbruch bei Schweißverfahren für Elektrolyseurkomponenten gelungen: Sie nutzen mit Hilfe einer Elektronenstrahlanlage das Elektronstrahlschweißen. Es erhöht den Wirkungsgrad eines Elektrolyseurs und reduziert die Bearbeitungszeit und Fertigungskosten.

von | 27.03.24

Das Elektronenstrahlschweißen erlaubt die gleichzeitige Bearbeitung mehrerer Fügestellen
© Fraunhofer IWU
Schweissen Elektronenstrahlanlage Fraunhofer IWU

27. März 2024 | Dem Fraunhofer Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) ist ein Durchbruch bei Schweißverfahren für Elektrolyseurkomponenten gelungen: Sie nutzen mit Hilfe einer Elektronenstrahlanlage das Elektronenstrahlschweißen. Es erhöht den Wirkungsgrad eines Elektrolyseurs und reduziert die Bearbeitungszeit und Fertigungskosten.

Einem Team des Fraunhofer IWU ist der Bau einer Elektronenstrahlanlage gelungen. Diese ermöglicht ein neues Schweißverfahren: Elektronenstrahlschweißen. Beim Elektronenstrahlschweißen werden Elektronen als Schweißmedium verwendet. Dabei steuern mehrere elektromagnetische Linsen die negativ geladenen Teilchen, welche mit bis zu zwei Dritteln der Lichtgeschwindigkeit auftreffen und die beiden Werkstücke miteinander verschmelzen.

Elektrolyseure benötigen eine große Anzahl von Bipolarplatten (BPP), die die Wandlungskomponente CCM (Catalyst Coated Membrane) umschließen. Je hochwertiger die Schweißverbindung der Bipolarplatten, desto höher fällt der Wirkungsgrad des Systems aus.

Derzeit setzen die meisten Bipolarplatten-Hersteller auf das Laserstrahlscannerschweißen, bei dem gebündeltes Licht (Laser) zum Einsatz kommen. Ein Spiegel lenkt den Laserstrahl und führt ihn entlang der gewünschten Fügestellen. Die Mechanik zur (Ab-)Lenkung des Laserstrahls und der Spiegel begrenzt aufgrund seiner Massenträgheit jedoch die Schweißgeschwindigkeit. Für eine Bipolarplatte von der Größe eines DIN A4-Blattes sind Schweißnähte mit einer Gesamtlänge von mehr als 1 m auszuführen, sodass die Schweißgeschwindigkeit maßgeblich für die Fertigungszeit ist.

Inbetriebnahme der ersten Elektronenstrahlanlage am Fraunhofer IWU

Abteilungsleiter Dr. Frank Riedel und Frank Schüßler, Steigerwald Strahltechnik GmbH, begutachten eine Bipolarplatte bei der Inbetriebnahme der ersten Elektronenstrahlanlage am Fraunhofer IWU. Sitzend: Sebastian Mülle (© Fraunhofer IWU)

Geringere Bearbeitungszeit

Das neue Verfahren kommt ohne träge Lenkungsmechanik aus, sodass der Elektronenstrahl verzögerungsfrei geführt werden kann und die Bearbeitungszeit dadurch deutlich sinkt. Auch die Flexibilität steigt: Dank der Möglichkeit zur schnellen Ablenkung des Strahls lassen sich mehrere Prozesszonen gleichzeitig bearbeiten, wo bislang eine Fügestelle nach der anderen abgearbeitet werden musste. Selbst Vor- und Nachwärmprozesse können nahezu gleichzeitig erfolgen.

Das Forscherteam am Fraunhofer IWU um Dr. Frank Riedel experimentiert mit einer parallelen Bearbeitung von fünf Zonen (Schmelzbädern). Riedel ist sich sicher: „Bei der Mehrbadtechnik geht noch viel mehr.“

Höhere Qualität dank Vakuum

Aus qualitativer Sicht spricht außerdem für diese Technik, dass sie unter Vakuumbedingungen zum Einsatz kommt. Diese garantieren konstante Bedingungen ohne störende Schwankungen von Luftdruck oder Luftfeuchtigkeit.

Die besondere Herausforderung beim Fügen von Bipolarplatten ist, dass auch nur ein einziger Hohlraum, ein Loch oder jede andere Unregelmäßigkeit in der Schweißnaht zur Undichtigkeit des gesamten Bauteils führen würde. Es wäre dann nicht mehr verwendbar. Projektleiter Patrick Urbanek: „Mit der Vakuumtechnik können wir äußere Einflussfaktoren ausschließen und die aus heutiger Sicht höchstmögliche Schweißnahtqualität erzielen.“

Die sogenannte Elektronenstrahlanlage, mit der das Team um Urbanek nun im Rahmen des vom Bundesministerium für Forschung und Bildung lancierten Ideenwettbewerbs „Wasserstoffrepublik Deutschland“ forscht, ist die erste Maschine dieser Art. Am Bau und der Entwicklung der Elektronenstrahlanlage ist außerdem die Firma Steigerwald beteiligt.

Im aktuellen Kalenderjahr legt das Forscherteam den Schwerpunkt auf die weitere Entwicklung der Technologie. Die Reife für die Kleinserienfertigung soll ab 2025 erreicht werden. Die neue Anlage ist integraler Bestandteil der Referenzfabrik.H2, welche die Grundlagen für die industrielle Massenproduktion von Elektrolyseuren und Brennstoffzellen schaffen will.

 

(Quelle: Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU/2024)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

H2-Projekte in Ihrer Region

Mehr als 300 Wasserstoff-Projekte in Deutschland und Europa

Hier geht's zur interaktiven Karte

H2-Betankung ohne Vereisung: Technische Lösungen für störungsfreie Abläufe
H2-Betankung ohne Vereisung: Technische Lösungen für störungsfreie Abläufe

Aufgrund von Vereisung können während der Wasserstoffbetankung Probleme hinsichtlich Sicherheit und Funktion des Betankungssystems auftreten. Die Carl Kurt Walther GmbH & Co. KG (Walther-Präzision) erläutert im Fachbeitrag, wie die Eisbildung bei H₂-Betankungen vermieden werden kann – dabei spielt unter anderem die thermische Isolation eine Rolle.

mehr lesen
H2-Lkw-Initiative: Scania, Hyundai und Hyliko ersetzen Iveco und Shell
H2-Lkw-Initiative: Scania, Hyundai und Hyliko ersetzen Iveco und Shell

Das EU-geförderte Projekt H2Accelerate Trucks hat drei neue Partner gewonnen. Scania Pilot Partner, Hyundai Hydrogen Mobility Germany und Hyliko steigen ein, nachdem die Gründungsmitglieder die Iveco Group und Shell ausgestiegen sind. Die Initiative gilt als eines der größten europäischen Vorhaben für emissionsfreien Schwerlastverkehr mit Wasserstoff und Brennstoffzellen. Bis 2026 sollen 125 Wasserstoff-Lkw in sechs europäischen Ländern eingesetzt werden.

mehr lesen
Wasserstofftankstelle für Busse in Deutschland geplant
Wasserstofftankstelle für Busse in Deutschland geplant

Die Cavendish Hydrogen A/S (Cavendish Hydrogen) plant die Umsetzung einer Wasserstofftankstelle im Westen Deutschlands. Das Unternehmen will dabei mit Everfuel A/S (Everfuel) zusammenarbeiten. Die Tankstelle soll in den Jahren 2026 und 2027 errichtet werden und ist für Wasserstoffbusse vorgesehen. Das Vorhaben findet im Rahmen eines Engineering, Procurement and Construction (EPC)-Vertrags statt.

mehr lesen

H2 Talk

„NRW bringt beste Voraussetzungen als Wasserstoff-Knotenpunkt mit“
„Für die klimaneutrale Klinkermanufaktur kommt nur Wasserstoff in Frage”
Kyocera: „Komponenten für die Wasserstoffproduktion sind der größte Engpass im Hochlauf”

Publikationen

Power-to-Gas

Power-to-Gas

Erscheinungsjahr: 2020

Das Fachbuch fasst aktuelles Wissen zu Power-to-Gas zusammen und bereitet es für Ingenieure der Energie- und Gasversorgung auf. Es wird die gesamte Wertschöpfungskette vom bereitgestellten Strom über die Erzeugung von Wasserstoff und die Integration ...

Zum Produkt

Erneuerbarer Wasserstoff mit Solar-Wind-Hybridkraftwerken

Erneuerbarer Wasserstoff mit Solar-Wind-Hybridkraftwerken

Autor: Raphael Niepelt, Rolf Brendel

Grüner Wasserstoff ist ein Schlüsselelement für die Transformation und Defossilierung des Energiesystems. Mit der Nationalen Wasserstoffstrategie hat sich die Politik klar zu grünem Wasserstoff bekannt, wobei der Bedarf vor allem über Importe aus ...

Zum Produkt