EU-Kommission startet erste Auktion der Europäischen Wasserstoffbank

Die Europäische Kommission hat heute in Brüssel die erste Auktionsrunde der Europäischen Wasserstoffbank eingeleitet. Dafür wurden 800 Mio. € Einnahmen aus dem Emissionshandel über den Innovationsfonds bereitgestellt. Wasserstoffproduzenten können somit ab sofort auf eine fixe Förderprämie pro Kilogramm produzierten Wasserstoffs bieten. Die Förderung soll die Lücke zwischen Produktions- und Verkaufspreis schließen, da nicht-grüner Wasserstoff derzeit noch günstigere Herstellungskosten bietet.

von | 23.11.23

Das Berlaymont-Gebäude in Brüssel ist Sitz der Europäischen Kommission
© Jai79/pixabay
© Jai79/pixabay

23. November 2023 | Die Europäische Kommission hat heute in Brüssel die erste Auktionsrunde der Europäischen Wasserstoffbank eingeleitet. Dafür wurden 800 Mio. € Einnahmen aus dem Emissionshandel über den Innovationsfonds bereitgestellt. Wasserstoffproduzenten können somit ab sofort auf eine fixe Förderprämie pro Kilogramm produzierten Wasserstoffs bieten. Die Förderung soll die Lücke zwischen Produktions- und Verkaufspreis schließen, da nicht-grüner Wasserstoff derzeit noch günstigere Herstellungskosten bietet.

Im Rahmen der Pilotauktion können Produzenten grünen Wasserstoffs auf eine EU-Förderung für eine bestimmte Produktionsmenge bieten. Wann Wasserstoff als erneuerbar oder „grün“ klassifizierbar ist, legen die Erneuerbare-Energien-Richtlinie und ihre delegierten Rechtsakte fest. Interessierte Produzent können sich bis zum 8. Februar 2024 über das EU-Finanzierungs- und Ausschreibungsportal bewerben.

Am 30. November findet einer offiziellen Pressemitteilung zufolge ein Online-Infotag statt, bei dem Projektantragsteller:innen Fragen an die Europäische Exekutivagentur für Klima, Infrastruktur und Umwelt (CINEA) richten können. Die CINEA wird die Auktion durchführen. Im  April 2024 soll sie mit der Evaluation der Gebote fertig sein, sodass Antragsteller über ihre Bewertungsergebnisse informiert und Finanzhilfevereinbarungen unterzeichnet werden können.

Mit der Pilotauktion will die Kommission auch Daten über die in der EU geplanten Wasserstoffprojekte sowie über das Förderinteresse, die Wasserstoff-Gestehungskosten und den Marktpreis sammeln. Die gesammelten Erfahrungen sollen künftige Auktionen für andere Dekarbonisierungstechnologien und -produkte zu entwickeln. Wie Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am 20. November bekanntgab, will die Kommission bereits im Frühjahr 2024 eine zweite Versteigerungsrunde starten.

Bis zu 4,50 € pro kg

Die Gebote sollen auf einem vorgeschlagenen Preisaufschlag pro kg produzierten erneuerbaren Wasserstoffs basieren, der bis zu einer Obergrenze von 4,50 €/kg reichen kann. Gebote bis zu diesem Preis, die auch andere Qualifikationsanforderungen erfüllen, werden nach der offiziellen Darstellung der EU je nach Höhe des ihres Gebotspreises vom niedrigsten bis zum höchsten eingestuft. Anschließend erhalten sie den Zuschlag in dieser Reihenfolge, bis das Auktionsbudget von 800 Mio. € erschöpft ist.

Die ausgewählten Projekte sollen die bewilligte Förderung zusätzlich zu den Markteinnahmen aus dem Wasserstoffverkauf erhalten – und das bis zu 10 Jahre lang. Sobald die Zuschussvereinbarungen unterzeichnet sind, müssen die Projekte nach Willen der EU innerhalb von fünf Jahren mit der Produktion von erneuerbarem Wasserstoff beginnen. Eine Vermischung mit anderen finanziellen Beihilfen aus den teilnehmenden Mitgliedstaaten soll nicht möglich sein, um gleiche und standortunabhängige Wettbewerbsbedingungen für alle Projekte zu gewährleisten. Weitere Informationen zum „Auction-As-A-Service“-Modell erhalten Sie hier.

Die Wasserstoffbank ist eines der politischen Instrumente, mit denen die EU einen Markt für Wasserstoff aus erneuerbaren Energien aufbauen will. Angestrebt ist, Investitionen in Produktionskapazitäten zu fördern und damit die zur Erreichung der Klimaziele notwendige Wasserstoffproduktion in großem Maßstab zu ermöglichen. Somit ist die Pilotauktion Teil des REPowerEU-Plans, bis 2030 10 Mio. t grünen Wasserstoff herstellen zu können.

EU-Innovationsfonds: 40 Mrd. € für die Dekarbonisierung

Mit einem geschätzten Budget von 40 Mrd. € aus dem EU-Emissionshandelssystem zwischen 2020 und 2030 ist der Innovationsfonds das nach offiziellen Angaben größte Finanzierungsprogramm der EU für die Einführung von Netto-Null-Technologien. Der Fonds hat heute (23.11.) auch seine Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen für das Jahr 2023 eröffnet, für die ein Budget von 4 Mrd. € für kohlenstoffarme Technologien in verschiedenen Sektoren zur Verfügung stehe.

Die Europäische Wasserstoffbank wurde von Kommissionspräsidentin von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der Union im Jahr 2022 angekündigt, um die heimische Wasserstoffproduktion in der EU und die Importe von erneuerbarem Wasserstoff von internationalen Partnern zu unterstützen. Der damalige EVP Frank Timmermans hatte die Pläne während der European Hydrogen Week im Oktober 2022 bestätigt und im März 2023 das Fördervolumen konkretisiert.

Keynote von Kommissionspräsidentin von der Leyen auf der Europäischen Wasserstoffwoche 2023


(Quelle: European Commission/2023)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

H2-Projekte in Ihrer Region

Mehr als 300 Wasserstoff-Projekte in Deutschland und Europa

Hier geht's zur interaktiven Karte

Auftrag für Wasserstoffaufbereitungsanlage in Huntorf vergeben
Auftrag für Wasserstoffaufbereitungsanlage in Huntorf vergeben

Das Versorgungsunternehmen EWE AG konkretisiert seine Pläne für eine Wasserstoffspeicheranlage im niedersächsischen Huntorf. Mit Bilfinger SE wurde ein Dienstleister beauftragt, der eine Wasserstoffaufbereitungsanlage planen, installieren und in Betrieb nehmen soll. Dabei kommt nach eigenen Angaben erstmals die H2dry-Technologie im kommerziellen Maßstab zum Einsatz. Die Speicheranlage soll künftig Erzeugung, Transport und Nutzung von Wasserstoff flexibel miteinander verknüpfen und damit zur Stabilität des Energiesystems beitragen.

mehr lesen
Wasserstofftankstellen: H2 Mobility senkt Preise an 15 weiteren Standorten
Wasserstofftankstellen: H2 Mobility senkt Preise an 15 weiteren Standorten

Der Wasserstofftankstellenbetreiber H2 Mobility Deutschland GmbH & Co. KG hat den Bruttopreis für das Kilogramm Wasserstoff an 15 weiteren Tankstellen in Deutschland gesenkt. Seit dem 1. Oktober ist der Preis um 12 bis 16 Prozent niedriger. Ermöglicht werde die Senkung durch die Versorgung mit RFNBO-zertifizierten Wasserstoff in Verbindung mit Erlösen aus dem Treibhausgas-Quotenhandel (THG-Quotenhandel). Bereits im Juni 2026 gab es eine erste Preisanpassung nach unten.

mehr lesen
Energiebranche fordert Festhalten an RED-III-Zielen
Energiebranche fordert Festhalten an RED-III-Zielen

Ein Bündnis aus 170 Unternehmen aus dem europäischen Energiesektor hat ein Schreiben an die Europäische Kommission verfasst. Darin fordern sie, die Ziele der Renewable Energy Directive (RED III) für erneuerbare Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs (RFNBO) über 2030 hinaus beizubehalten. Eine Abschwächung würde ansonsten „sechs Jahre Arbeit verschwenden“. Das Schreiben folgt auf einen durchgesickerten Entwurf der EU-Kommission, der eine mögliche Abschaffung der Ziele für den Zeitraum nach 2030 in Betracht zog.

mehr lesen

H2 Talk

„Wir wollen e-Fuels vom teuren Nischenprodukt zu einer wettbewerbsfähigen Lösung entwickeln“
„Der Mittelstand ist das Kraftwerk unserer Wirtschaft"
„Versorgungssicherheit und Klimaschutz sind keine Gegensätze“

Publikationen

Power-to-Gas

Power-to-Gas

Erscheinungsjahr: 2020

Das Fachbuch fasst aktuelles Wissen zu Power-to-Gas zusammen und bereitet es für Ingenieure der Energie- und Gasversorgung auf. Es wird die gesamte Wertschöpfungskette vom bereitgestellten Strom über die Erzeugung von Wasserstoff und die Integration ...

Zum Produkt

Erneuerbarer Wasserstoff mit Solar-Wind-Hybridkraftwerken

Erneuerbarer Wasserstoff mit Solar-Wind-Hybridkraftwerken

Autor: Raphael Niepelt, Rolf Brendel

Grüner Wasserstoff ist ein Schlüsselelement für die Transformation und Defossilierung des Energiesystems. Mit der Nationalen Wasserstoffstrategie hat sich die Politik klar zu grünem Wasserstoff bekannt, wobei der Bedarf vor allem über Importe aus ...

Zum Produkt